NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 16.08.2022Colin Roß besucht TeheranDer Reiseschriftsteller Colin Roß war bei uns schon häufiger zu Gast. Waren die von uns gesendeten Berichte von ihm aus und über Südamerika sehr sachlich und respektvoll gegenüber den Gastländern, so kann man dies von seinen Berichten von seiner 1922 durchgeführten Reise in den Orient nicht mehr behaupten. Mit offen zur Schau getragener Überlegenheitsgeste des Westens kritisiert er - mittlerweile in Teheran angekommen - die dortigen „Paläste des Königs der Könige“ und zeigt nicht die geringste Bereitschaft, sich auf die persische Bau- und sonstige Kultur einzulassen. Angesichts dieses Textes überrascht es weniger, dass Roß später zum begeisterten Nationalsozialisten wurde, der sich zwar offen gegen den Antisemitismus äußerte, aber sonst das Regime unterstützte. Er beging einen Tag vor Adolf Hitler, am 29. April 1945 mit seiner Ehefrau Selbstmord. Seinen Blick auf die Palastanlagen in Teheran liest für uns Paula Leu.
-
Folge vom 15.08.2022“Küss’ die Hand” im WasserNach einer längeren Pause bei „Auf den Tag genau“ kehrt Arnold Höllriegel mit einem Text aus dem Berliner Tageblatt des 15. Augusts 1922 ins Programm zurück. Wer müde von den Zwängen der bürgerlichen Besuche ist, die durchdrungen sind von Ritualen und Konversationsregeln, der treffe sich doch einfach im Wasser beim Schwimmen. Bei der Plantsch-Visite dabei war Frank Riede.
-
Folge vom 14.08.2022Die Tragödie der Elsaß-DeutschenKaum eine Region in Europa hat eine so bewegte, komplexe und sprachpolitisch verzwickte Geschichte wie das Elsass. Gehörte die Region, in der eine alemannische Mundart gesprochen wird, bis 1871 über Jahrhunderte zu Frankreich, annektierte das nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg entstandene Deutsche Reich das Gebiet und schuf das “Reichsland Elsass-Lothringen”, das direkt dem Deutschen Kaiser unterstand. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Region an Frankreich zurück. Diese wechselvolle Geschichte hatte neben viel Leid, einer schwierigen Identitätsbildung auch immer wieder goße Flucht- und Vertreibungsbewegungen zur Folge. Über die Deutsche Bürger:innen, die das Elsass 1922 verlassen mussten, berichtet das 8Uhr Abendblatt am 14. August. Es liest Frank Riede.
-
Folge vom 13.08.2022Kann man bei der Schwiegermutter wohnen?In der heutigen Folge wenden wir uns einer Frage zu, die die Menschheit, gefühlt, seit Ewigkeiten beschäftigt und bis in alle Ewigkeit noch beschäftigen wird: Kann man bei der Schwiegermutter wohnen? Die Berliner Morgenpost publizierte im August 1922 die Leser:innen-Zuschriften auf diese von einem gewissen M. G. aufgeworfene Fragestellung, die aufgrund des fehlenden Wohnraums und der steigenden Mieten besonders virulent war. Paula Leu liest für uns die Zuschriften, die am 13. August abgedruckt wurden und die eine Typologie der Schwiegermütter, schmerzliche Erfahrungswerte und eine Antwort in Gedichtform enthalten.