Künstliche Intelligenz bedeutet für viele Menschen derzeit: In allen Lebenslagen ein großes Sprachmodell wie Chat GPT oder Gemini befragen zu können. In einigen Berufen, etwa unter Programmierern oder Rechtsanwälten, gehört KI bereits heute zum Handwerkszeug. Wenig gesprochen wird aber noch über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der industriellen Produktion. Dies ändert sich derzeit, und damit verbinden sich große Hoffnungen für den Standort Deutschland. Doch kann die Warenproduktion in Ländern mit hohen Lohn- und Energiekosten mit Hilfe von KI wirklich deutlich wettbewerbsfähiger werden?
Was unter industrieller KI zu verstehen ist und welches Produktivitätspotenzial sich damit bergen lässt diskutieren wir in dieser Folge mit Dr. Hans Krattenbacher, Geschäftsführer Innovation Mechatronik von SEW Eurodive. Als promovierter Elektrotechniker arbeitet er seit einem Viertel Jahrhundert für das Familienunternehmen, das vor allem als Hersteller von Antrieben, sogenannten Getriebemotoren, bekannt ist. Mit einem Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro und rund 23.000 Mitarbeiter gehört SEW Eurodrive zu den vielen in der Öffentlichkeit wenig bekannten Anbietern deutscher Automatisierungstechnik, die Fabriken in aller Welt am Laufen hält.
Für Krattenmacher hat ist Künstliche Intelligenz der Akkuschrauber der Datentechnik, sie beschleunigt bislang vom Menschen durchgeführte Tätigkeiten deutlich. Das habe sich kürzlich anhand eines internen Projektes gezeigt, als es um die Inbetriebnahme eines Umrichters gegangen sei. Junge Mitarbeiter programmierten einen Chatbot und schafften es, das Gerät innerhalb einer Viertelstunde ans Laufen zu bringen – selbst ein mit der Materie vertrauter Fachmann bräuchte dafür länger.
Konsequent angewendet könne Künstliche Intelligenz die Produktivität produzierender Unternehmen um mehr als zehn Prozent steigern, so Krattenmacher. Es ginge aber auch darum, das gegenwärtige Niveau angesichts des drohenden Fachkräftemangels in die Industrie überhaupt zu halten. Menschenleere, nur von Robotern in Gang gehaltene Fabriken hält Krattenmacher aber nur in Sonderfällen für machbar.
Der Physiker, sich ehrenamtlich im Branchenverband ZVEI eingagiert, mahnt zur Eile. Zwar habe Deutschland im Maschinen- und Anlagenbau sowie der zugehörigen Automatisierungstechnik noch immer einen technischen Vorsprung und durchaus solides Know-how hinsichtlich Künstlicher Intelligenz. „Wenn wir aber noch 20 Jahre weiter darüber diskutieren, was richtig wäre, dann werden wir diese Dominanz und diesen Wettbewerbsvorteil einfach verlieren.“
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Im Podcast sprechen die Redakteure der FAZ über neue Entwicklungen in der digitalen Wirtschaft, in der Industrie 4.0 - und in der Technik. Wir diskutieren miteinander und auch mit Gästen – dabei ordnen wir die aktuellen Themen rund um Digitalisierung und Technologie ein. Dabei geht es nicht nur um Bits und Bytes, sondern auch um einen größeren gesellschaftlichen Kontext. Jeden Freitag eine neue Folge. Mehr erfahren: https://fazdigitec.de
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Folge vom 13.03.2026Warum chatten Sie mit Maschinen in der Fabrik, Herr Krattenmacher?
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Folge vom 06.03.2026Keine Innovation mehr bei Smartphones und Mobilfunk?Der Smartphone-Markt stockt, gleichzeitig wartet die Branche auf die nächste Generation an Mobilfunknetzen. Der harter Wettbewerb führt zu neuen Ideen, die auf dem Mobile World Congress diskutiert wurden. Eine Nachlese.
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Folge vom 27.02.2026Das neue Terminal 3: Wenn Infrastruktur zur Identität wirdKurz vor der feierlichen Eröffnung im April 2026, während der Probebetrieb mit Tausenden Testpassagieren auf Hochtouren läuft, blickt diese Spezial-Folge des Digitalwirtschaft-Podcasts das rund 4 Milliarden Euro teure Terminal 3 des Frankfurter Flughafens. Dabei wurde deutlich, dass der für bis zu 25 Millionen Passagiere ausgelegte Neubau weit mehr ist als eine bloße Kapazitätserweiterung; er ist ein Raum, in dem Infrastruktur, Gestaltung und gesellschaftliche Erwartungen zu einer neuen Qualität des öffentlichen Lebens verschmelzen. Die Diskussion war Bestandteil von „Moving Business By Design“, einem neuen neues Diskursformat im Rahmen der Rolle, die Frankfurt in diesem Jahr als „World Design Capital“ innehat. Den architektonischen Grundgedanken des neuen Terminals skizzierte Christoph Mäckler, der Architekt. Anstelle steriler, rein funktionaler Abfertigungshallen entwarf er ein Gebäude, das massiv auf natürliches Tageslicht setzt und künstliche Lichtquellen auf ein Minimum reduziert. Prägend für Mäcklers Ansatz ist die sichtbare Funktionalität, die sich etwa in den offen liegenden Konstruktionsrohren der Decken widerspiegelt. Er beschrieb das Terminal zudem als einen „wachsenden Käfer“, dessen vertikale Erschließung so konzipiert ist, dass das Gebäude in Zukunft nach außen wachsen kann, ohne die komplexen inneren Abläufe zu stören. Doch wie navigiert man Millionen internationale Gäste intuitiv und stressfrei durch ein Gebäude dieser Dimension? Diese Frage beantwortete Sibylle Schlaich, Managing Partner bei Moniteurs und Expertin für komplexe Orientierungssysteme. Sie verdeutlichte, dass moderne Orientierungssysteme sprachliche und kulturelle Barrieren mühelos überwinden müssen, ohne den Raum visuell zu überfrachten. Ein erfolgreiches Orientierungssystem, so Schlaich, verzahnt analoge Leitführung und digitale Informationswelten nahtlos miteinander. Nur so kann den Reisenden ein Gefühl von Sicherheit vermittelt und die oft stressige Reiseerfahrung beruhigt werden. Dass diese Aufenthaltsqualität auch eine harte ökonomische Währung ist, betonte Stephanie Pudwitz, die kaufmännische Geschäftsführerin der Fraport AG. Das Terminal 3 fungiert als eigenständige Erlebniswelt und internationaler Premiumstandort für Marken. Durch die Integration eines zentralen Marktplatzes, innovativer Gastronomiekonzepte und großflächiger digitaler Touchpoints – wie etwa 120 Quadratmeter großer LED-Flächen in der Check-in-Halle – wird die Wartezeit zum Erlebnis gemacht. Diese gezielte Steigerung der „User Experience“ ist für Fraport essenziell, um im harten internationalen Wettbewerb der Luftfahrtkreuze die entscheidenden Einnahmen jenseits des reinen Flugbetriebs (Non-Aviation-Erlöse) zu sichern. Aus landespolitischer Sicht ordnete Kaweh Mansoori, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, das Projekt in das große Ganze ein. Er bezeichnete den Flughafen als den Herzschlag der hessischen Wirtschaft. Das neue Terminal sei nicht nur ein klares Bekenntnis zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, sondern sichere als Jobmotor direkt und indirekt Tausende Arbeitsplätze in der Region. Zudem stärke die Infrastruktur den boomenden Tourismus im Bundesland. Besonders hob Mansoori hervor, dass die termingerechte Fertigstellung dieses gigantischen Baus ein starkes Signal über die Landesgrenzen hinaus sende: Hessen ist in der Lage, Großprojekte pragmatisch und erfolgreich umzusetzen. Am 22. April findet die offizielle Eröffnung statt, vom 23. April an ist das Terminal für jedermann zugänglich.
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Folge vom 20.02.2026Vorsicht vor fragwürdigen KI-WeiterbildungenKünstliche Intelligenz ist zunehmend eine Kernkompetenz. Sie ist oder wird Teil in immer mehr Berufen, oft in immer größerem Umfang. Doch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kennen sich nach wie vor nicht gut (genug) damit aus. Und wollen dies ändern. Was ist dafür der beste Weg? An Weiterbildungsangeboten mangelt es nicht, auch nicht an solchen, die am Ende ein Zertifikat oder einen formalen Qualifizierungsnachweis versprechen. Doch gerade auf dem Markt der öffentlich geförderten KI-Weiterbildungen gibt es inzwischen offenbar Schwindeleien bis hin zum Betrug, wie eine Recherche der F.A.Z. gerade offenlegte. Also ist eine gesunde Vorsicht durchaus angebracht. Was tun? Erstens den Anbieter genau ansehen. Hat der Dozent oder die Dozentin einen Lebenslauf veröffentlicht, aus dem nachweisbar hervorgeht, über welche Erfahrungen sie oder er im KI-Bereich verfügen? Ist der Anbieter vielleicht sogar offiziell geprüft? Oder ganz einfach: Wie bewerten ihn andere Kunden im Internet? Zugleich loht es gerade für mittelgroße und große Unternehmen, die über entsprechende Ressourcen verfügen, selbst KI-Profis einzustellen, die sich darum kümmern. Die intern vermitteln können, wie weit die KI ist, Kurse selbst anbieten oder externe Weiterbildungs-Angebote prüfen. Und wie viel muss ich eigentlich über KI wissen? Auch das hängt natürlich vom jeweiligen Beruf ab. Ein Schreiner gegenwärtig vermutlich weniger als ein Angestellter im Rechnungswesen. Auch darüber sprechen wir in dieser Episode.