Der aufgeklärte Mensch, so führte ich aus, hat Charakter, denn statt von seinen Launen und Neigungen bald hierhin, bald dorthin gezogen zu werden, leitet er sich selbst, d. i. er gibt sich selbst einen Grundsatz, nach dem er in allen Lagen und zu allen Zeiten handeln wird. Doch fern davon, den Mensch von Prinzipien und seine Festigkeit stets zu bewundern, steht er bei uns in dem schlechten Ruf, unbeweglich und lebensfern zu sein, und es ist uns ein Vorwurf, wenn wir von jemandem sagen, er sei ein „Prinzipienreiter“ oder tue dies und jenes „nur aus Prinzip“ - eine Kritik, die der Sache nach oftmals auch durchaus gerechtfertigt sein mag, die aber falsch formuliert ist, welch falsche Formulierung sich aus einer Unkenntnis dessen ergibt, was ein wirkliches Prinzip ist: nämlich etwas Erstes, etwas Lebendiges, etwas Tragendes, nicht fixe Idee oder unverbesserlicher Starrsinn.
Der Aufgeklärte soll nach Prinzipien handeln, wir aber lehnen Prinzipientreue oftmals ab: 0:08
Es geht darum, Charakter zu haben und sich treu zu sein: 3:51
Es geht darum, besonnen zu sein, statt im Augenblick unbedacht einer Laune oder einem Affekt zu folgen, von denen man sogleich wieder abrücken muss: 18:59
Nicht echte Prinzipientreue, wohl aber, was der gemeine Mensch Prinzipienreiterei nennen könnte, ist tatsächlich oft abzulehnen: 25:12
Oft bestimmen blindes Festhalten an Scheinprinzipien, sinnlose Routinen, ungegründete Kopfgeburten und solcherlei die Menschen: 27:39
Ein echtes Prinzip kommt aus der Vernunft und wird vom Leben getragen, statt gegen dieses anzukämpfen: 41:38
Echte Prinzipien haben bedeutet, mit sich im Einklang zu sein, bringt den Menschen also gerade nicht in Widerspruch mit dem eigenen Fühlen: 47:52
Jede Regel ist mit Billigkeit anzuwenden: 51:39
Durch Prinzipien soll der Mensch sich selbst leiten, nicht zum Sklaven machen: 1:00:48
Was es heißt, Prinzipien zu haben: 1:04:25
Nur wer einem Grundsatz folgt, kann Charakter haben und sich ein einiges Selbst schaffen, aber dieser Grundsatz muss kein bewusster sein: 1:10:05
Kultur & Gesellschaft
Was ist Aufklärung? Folgen
Diese Serie soll sich jener berühmten Frage widmen, die schon Kant beschäftigte: Was ist Aufklärung? Aufklärung ist, worum sich all meine Schriften und Vorträge drehen; diese Serie soll die Grundlage für ihr Verständnis bilden, insofern ich hier erkläre, was ich denn unter diesem Begriff verstehe. Diese Vorträge finden sich auch als Videos auf YouTube, für welche Plattform sie ursprünglich entstanden. Eine Übersicht über meine weiteren Vorträge, Texte von mir und mehr finden sich auf meiner Webseite: https://jonathanivoloewer.de/
Folgen von Was ist Aufklärung?
45 Folgen
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Folge vom 23.10.2021Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist lebendige Prinzipientreue
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Folge vom 16.10.2021Was ist Aufklärung? - Der Aufgeklärte hat Charakter, der Unaufgeklärte ist charakterlosDer Aufgeklärte hat, wie ich schon früher ausführte, Grundsätze, nach denen er denkt und lebt. Dies gerade ist, was den Menschen von Charakter auszeichnet: Sagen wir nicht, jemand habe diesen oder jenen Charakter, sondern er habe Charakter schlechthin, so meinen wir damit eine Festigkeit und Verlässlichkeit, so beschreiben wir damit, dass er aus einem Guss und sich stets treu ist und man sich auf ihn verlassen kann. Der Unaufgeklärte, da er nicht selbstgewählten Prinzipien folgt, muss immer unvermerkt unter fremder Leitung stehen: jetzt der eines Vorurteils, im nächsten Moment der eines Affekts usw. Und weil er nicht von Einem fremdgeleitet ist, sondern von ständig sich abwechselnden oder ineinander fließenden Faktoren, muss er charakterlos, d. h. flatter- und launenhaft und unverlässlich sein. Aufklärung bedeutet, sich ein Ich zu schaffen, ist also nicht dahin misszuverstehen, als sollte ein Anteil des Menschen gegen seine anderen ausgespielt werden: 0:08 Der Aufgeklärte hat Charakter: 4:56 Wer Charakter hat, auf den kann man sicher rechnen: 7:19 Hat ein Mensch Charakter, muss dies jedem sittlich nicht gänzlich Verdorbenen Achtung abringen: 25:47 Nur der Mensch von Charakter kann sittlich sein: 27:22 - Der Charakterlose missachtet Andere: 28:08 - Der Charakterlose missachtet sich selbst: 39:30 Wer sich wiederholt selbst betrügt, wer wiederholt mit seinen eigenen Vorsätzen bricht usw., erzieht sich zur Charakterlosigkeit und kann sich bald selbst nicht mehr trauen: 50:50 Das große Böse auf der Welt wie Holocaust oder Klimakrise entspringt nicht aus eigensüchtigem Genussstreben oder mangelndem Mitleid, sondern aus der Charakterlosigkeit der Vielen: 55:12 Manch einer hat scheinbare Grundsätze, ist diesen aber nicht konsequent treu und also doch charakterlos: 1:07:35 Obwohl man auf den Menschen von Charakter rechnen kann, ist gerade er für die Unaufgeklärten häufig unverständlich und unberechenbar: 1:17:50
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Folge vom 09.10.2021Was ist Aufklärung? - Der Aufgeklärte hat ein Ich, der Unaufgeklärte vieleDass der Unaufgeklärte nicht individuell ist, sondern vielmehr Klischees lebt und die meiste Zeit über irgendwelche Rollen spielt, das habe ich bei früherer Gelegenheit schon ausgeführt. Aber nicht nur im alltagssprachlichen Sinne hat man dies zu verstehen, sondern ganz wörtlich: Der unaufgeklärte Mensch ist kein Individuum, d. h. kein Unteilbares, sondern eher ein Divdiuum, ein Teilbares, ja richtiger noch, ein Divisum, ein Geteiltes. Die Bemerkung mag trivial erscheinen, dass selbst denken nur kann, wer ein Selbst auch hat, sie ist aber für die Aufklärung von großer Bedeutung, denn die Menschen mögen zwar meinen, nur weil sie „Ich“ sagen können, hätten sie auch wirklich ein Ich, die Wahrheit ist aber, dass sie eine Vielzahl von Ichen in ihrer Brust tragen: Von Augenblick zu Augenblick, je nach dem Affekt, der gerade herrschend, nach der Rolle, die gerade gefragt, dem Begehren, das gerade im Vordergrund ist, wechseln die verschiedenen Iche einander ab. Ein Selbstdenken ist einem Menschen in dieser Lage gar nicht möglich, denn wenn er im einen Moment etwas denkt, muss im nächsten Moment schon ein anderes Ich etwas Anderes denken, das dem Vorigen nur allzu oft widersprechen wird. Bei der Aufklärung geht es daher darum, die verschiedenen Anteile des eigenen Wesens zu einem einzigen mit sich selbst einigen Ich zu vereinen. Soll ich selbst denken, brauche ich dafür Ein Ich: 0:08 Der unaufgeklärte Mensch ist nicht Einer, sondern Legion: 2:35 Oft spielen Menschen ihre verschiedenen Iche gegeneinander aus: 11:11 Was die Menschen zu ihrem Ich, was zum Nicht-Ich rechnen, das wechselt oft je nach Situation: 27:49 - Oft nutzen Menschen es aus, bestimmte ihrer Handlungen, statt sich selbst, dem Nicht-Ich anlasten zu können: 38:39 Vielfach gibt es eine Kluft zwischen den Meinungen der Menschen und ihrem Tun: 53:10 - Es gibt einen Unterschied zwischen bloßem Kennen und echtem Begreifen und Durchdringen einer Sache, der in der Philosophie sehr deutlich wird: 57:13 - Was immer die Ideologie oder der Glaube eines Menschen ist: sie gleichen sich meist darin, wie wenig diese Meinungen für ihr Handeln bedeuten: 1:02:14 - Der heroische Charakter meint, all sein Tun wäre notwendig gut, da er ja selber gut wäre, und wähnt sich daher über Regeln und Kontrollen erhaben: 1:07:40 - Die Meinungen und Glaubenssätze der Menschen liegen oft nur oberflächlich auf, bedeuten aber wenig für ihren tatsächlichen Lebensvollzug: 1:09:26 - Aufklärung soll den Menschen transformieren, sie geht zuerst auf seine Haltung, über welche sie seine Meinungen wandelt, während das Umgekehrte kaum Erfolg verspricht: 1:20:30 Ein festes, einiges Ich kann nur haben, wer klare Prinzipien hat: 1:27:25 Ich sage in diesem Vortrag, dass das depressive Wegwerfen seiner Selbst nur ein versteckter Narzissmus ist. Dieser Narzissmus, kann ich anfügen, ist Grundlage der Depression: Der Narzisst, darin unterscheidet er sich vom bloß Eitlen, hat kein Du, er ist nur mit sich selbst beschäftigt - Narziss verliebte sich schließlich in sein eigenes Spiegelbild. An eben diesem Fehlen eines Du leidet nun der Depressive: Es ist ihm - gerade das macht seine Depression aus -, als wäre er wie durch eine Mauer von der Welt abgesondert, wobei er diese Mauer selbst errichtet hat. Auch aus seinem eigenen Ich kann ihm keine Freude erwachsen, es muss verkümmert oder vielmehr unentwickelt sein, denn ein Ich kann sich, wie die Wissenschaftslehre beschreibt, nur in dem Maße entwickeln, wie es mit einem Du in Kontakt tritt.
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Folge vom 02.10.2021Was ist Aufklärung? - Folgen unaufgeklärter InkonsequenzDer Aufgeklärte ist konsequent, denn er folgt einem klaren vernünftigen Prinzip. Wer aber unaufgeklärt ist, dem fehlt ein solches, der wird immer wieder von Vorurteilen und Neigungen bestimmt. Diese aber machen kein geschlossenes System aus, sondern widersprechen einander, und so wird er von ihnen immer wieder hin und her gerissen und muss immer wieder in Widerspruch mit sich selbst und der Wirklichkeit geraten. Dies hat für sein Denken und Urteilen verschiedene Folgen. Der Unaufgeklärte ist stets inkonsequent in seinem Denken und Meinen: 0:08 Die meisten Meinungen sind so widersprüchlich, dass man sie nur hegen kann, wenn man nicht allzu genau hinschaut: 1:17 Unaufgeklärte messen oft mit zweierlei Maß: 3:48 - Die Verlogenheiten der Rechten: 4:45 - Wer das unehrliche Messen mit zweierlei Maß nicht verachtet, ist von Aufklärung noch weit entfernt: 13:40 - Die Selbsttäuschung der Linken: 15:00 - Wer mit zweierlei Maß misst, denkt sicher nicht selbst: 22:49 Die einzelnen Meinungen der Unaufgeklärten passen oft nicht zusammen: 35:12 - Beispiel: Wie Menschen die Moral leugnen und doch moralisch sein wollen: 36:31 - Beispiel: Wie Menschen die Demokratie hochhalten und doch demokratische Prinzipien verwerfen: 51:53 - Weshalb die Meinungen der Unaufgeklärten nicht zueinander passen: 1:10:05 Die Unaufgeklärten verweisen oft auf die Widersprüchlichkeit ihres Denkens und Tuns, um sich herauszureden und der Kritik zu entgehen: 1:16:59