Der Irrglaube ist sehr verbreitet, dass glücklich am ehesten Der werde, der sich selbst am wichtigsten nimmt und sich zuvörderst um dieses sein Selbst kümmert. Entsprechend werden Viele die Überindividualität, zu der Aufklärung hinstrebt, ablehnen, meinend, dass eine selbstlose Haltung, sie möge auch aufgeklärt oder sittlich sein, jedenfalls unglücklich macht. Tatsächlich aber wird der Egozentriker nicht nur böse gegen Andere handeln; wer den aufgeklärten Grundsatz „Was liegt an mir?“ verwirft, der wird damit auch unfehlbar ein unglückliches Leben wählen, während der Aufgeklärte eines der Heiterkeit und Seligkeit führt.
Aufklärung bedeutet Erhebung zur Überindividualität, dies bedeutet jedoch keineswegs ein Aufgebe der Seligkeit: 0:08
1. Wer sein Ich zu wichtig nimmt, wird dadurch Anderen Unglück schaffen: 3:15
- Beispiel: Der Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg, der andere Leben für seines opfert: 3:38
- Beispiel: Die Schulleiterin, die das Wohl ihrer Mitarbeiter und Schüler für ihren Posten opfert: 10:44
- Der Sittliche ist selbstlos, Egoismen wie etwa eigene Ängste können ihn daher nicht bestimmen: 21:20
2. Wer sein Ich zu wichtig nimmt, wird dadurch sich selbst Unglück schaffen: 26:26
- Beispiel: Reue: 28:39
- Beispiel: Kränkungen: 35:32
- Beispiel: Minderwertigkeitsgefühle: 44:00
- Wir versuchen vergeblich, dem Gefühl, ungenügend zu sein, durch Selbstoptimierung zu begegnen: 56:36
- Wir versuchen vergeblich, dem Gefühl, ungenügend zu sein, dadurch zu begegnen, dass wir uns zu akzeptieren lernen, wie wir sind: 1:01:47
- Dem Gefühl, ungenügend zu sein, muss Der nicht begegnen, der nicht danach fragt, ob er genügt oder nicht: 1:05:51
- Der Unaufgeklärtheit fehlt stets der Grund, deshalb übersieht sie, dass jeder Mensch zahllose Anlässe hat, sich ungenügend zu fühlen, wenn er nur will: 1:11:15
Sowohl anderen Menschen als auch mir selbst diene ich mehr, wenn ich nicht in einem fort mit meinem Ich beschäftigt bin: 1:22:55
Kultur & Gesellschaft
Was ist Aufklärung? Folgen
Diese Serie soll sich jener berühmten Frage widmen, die schon Kant beschäftigte: Was ist Aufklärung? Aufklärung ist, worum sich all meine Schriften und Vorträge drehen; diese Serie soll die Grundlage für ihr Verständnis bilden, insofern ich hier erkläre, was ich denn unter diesem Begriff verstehe. Diese Vorträge finden sich auch als Videos auf YouTube, für welche Plattform sie ursprünglich entstanden. Eine Übersicht über meine weiteren Vorträge, Texte von mir und mehr finden sich auf meiner Webseite: https://jonathanivoloewer.de/
Folgen von Was ist Aufklärung?
45 Folgen
-
Folge vom 28.08.2021Was ist Aufklärung? - Selbstlosigkeit und Seligkeit
-
Folge vom 21.08.2021Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist Selbstlosigkeit, nicht SelbstverleugnungWas liegt an mir? - Dieser Satz Nietzsches ist notwendig ein Motto des Aufgeklärten, dem es in seinem Leben, bei dem, was ihm begegnet, und dem, was er tut, stets um die Sache, nie um sich geht. Man hat dies nicht mit Selbstverleugnung zu verwechseln, mit der gewalttätigen Unterdrückung des eigenen Ich und der willentlichen Versagung seiner Wünsche, mit dem Aufsichnehmen einer Askese im Namen eines höheren Zieles. Vielmehr ist solch eine verlogene und sklavenhafte Verleugnung seines Selbst dem Aufgeklärten gar nicht nötig, denn er hat seiner Persönlichkeit ihren Platz gegeben, an dem sie gedeihen und ihn tragen kann - an dem sie aber ihn nicht beherrscht, sondern wie Alles sonst im Dienste der Vernunf steht. Dem Aufgeklärten geht es nicht um sich, sondern stets um die Sache: 0:08 Wenn dem unaufgeklärten Egozentriker etwas widerfährt, so kommt es ihm vor allem darauf an, dass er es ist, dem dieses widerfährt: 1:55 Wenn der unaufgeklärte Egozentriker etwas tut, so kommt es ihm vor allem darauf an, dass er es ist, der dieses tut: 8:46 Die Unaufgeklärten unterstellen gerne allen Menschen ihre Egozentrik und begreifen schwerlich, dass es andere gibt, die Nietzsches Motto „Was liegt an mir?“ leben: 15:32 Gemäß einer uralten Dichotomie meint man, entweder zwischen der bösen, aber genussvollen Selbstsucht oder der guten, aber freudlosen Selbstverleugnung wählen zu müssen: 17:16 Wer sein Selbst noch aktiv verleugnen muss, der hat sich über dieses noch nicht erhoben und ist sicher nicht aufgeklärt: 28:05 Das Persönliche und Empirische am Menschen ist nicht abzulehnen oder zu verleugnen, sondern es hat seinen Platz, bloß soll es nicht das Bestimmende sein: 32:09 Menschen, die einer Idee folgen, stellen ihre Persönlichkeit in deren Dienst, statt sich von dieser Persönlichkeit beherrschen zu lassen: 40:33
-
Folge vom 14.08.2021Was ist Aufklärung? - Aufklärung ist OriginalitätDer Unaufgeklärte Mensch hat, wie ich erklärte, gar keine Individualität, um deren Verlust im Zuge der Aufklärung er fürchten müsste, er ist vielmehr Gefangener angelernter Rollen. Damit, dass er lieber diese spielt, als er selbst zu sein, macht er sich beständig unglücklich. Die Aufklärung fordert hingegen, in den großen Worten Nietzsches, von ihm, zu werden, der er ist: Sie führt zu Höherem als bloßer Individualität, nämlich zur Originallität: Jeder Aufgeklärte ist ein unverwechselbares Original und eben in seiner Einmaligkeit von grenzenlosem Werte. Der Unaufgeklärte ist nicht Individuum, sondern spielt nur verschiedene Rollen: 0:08 Durch das Leben klischeehafter Rollen macht der Mensch sich und andere unglücklich: 2:30 Beispiel: Der Stress bei der Planung besonderer Anlässe: 3:15 Beispiel: Der achtlose Umgang mit Kindern: 11:22 Beispiel: Die engen Erwartungen in der Liebe: 22:50 Beispiel: Die Afterpolitik, die nur mit Pseudoproblemen beschäftigt ist: 30:59 Aufklärung als Erhebung zur Überindividualität bedeutet folglich keinen Verlust, sondern einen Gewinn: 37:43 Die Aufgeklärten sind stets originell und unnachahmlich: 38:41 Faschismus will alle Menschen gleichschalten, Aufklärung jeden zu einem Original machen: 47:20 Mein Anliegen ist nicht die Reproduktion meiner selbst in anderen, sondern deren Entfaltung: 50:09 Es ist zu wünschen, dass immer mehr Menschen sich aufklären und auf ihre je einmalige Weise die Vernunft darstellen: 55:23 Der gewöhnliche Mensch ist hinter einem steifen angewöhnten Charakter eingepanzert; auf den Menschen im Innern dieses Panzers aber kommt es an: 59:06 Liebe gilt stets dem eigentlichen originellen Menschen, nicht der äußeren Persönlichkeit: 1:08:28 Die Menschen, wie sie sind, sind nicht einmalig und besonders, aber sie alle können und sollen es werden: 1:14:27
-
Folge vom 07.08.2021Was ist Aufklärung? - Der Unaufgeklärte ist nicht individuell, sondern spielt eine RolleIch erklärte Aufklärung zum Weg hin zur Überindividualität. Abgesehen davon, dass viele dessen Gangbarkeit bestreiten werden, gibt es auch viele, die diesen Weg gar nicht beschreiten wollen, sondern die vielmehr an ihrer Individualität hängen und nicht einsehen, warum sie diese wegwerfen sollten. - Sie müssen es nicht, denn sie sind durchaus gar keine Individuen, sondern nur Typen. Wo die Aufklärung Überindividualität fordert, begegnet ihr mehr Widerspruch als bei anderen Forderungen: 0:08 Viele werden die Überindividualität, zu der Aufklärung hinführt, nicht nur für unerreichbar, sondern auch für nicht erstrebenswert halten: 3:07 Der Unaufgeklärte ist nicht Individuum, sondern lebt nur Klischees: 8:17 Die Menschen spielen vielfach Rollen und ahmen nur nach, was ihnen vorgelebt wurde: 10:26 Selbst unser Fühlen ist vielfach nicht das unsere, sondern angelernt: 17:00 Dass Menschen bestimmte Rollen leben, ist daran zu sehen, wie vielfach verschiedene Geschmäcker immer in Verbindung miteinander auftreten oder bestimmte Meinungen mit bestimmten Milieus einhergehen usw.: 19:57 Ohne es zu wissen, wissen die Menschen, dass sie Klischees leben: 31:34 Die Menschen urteilen und verhalten sich teils ganz anders als üblich, wo es ihnen ihre Rolle nicht vorgibt: 38:16 Die Freiheit, die den Menschen so wichtig ist, ist oft nur die Freiheit, ihre angelernte Rolle zu spielen, keineswegs aber eine echte Freiheit, die darin bestünde, sie selbst und nicht Rolle zu sein: 41:34 Beispiel: Die Freiheit, die den Linken und Politisch Korrekten so wichtig ist: 43:34 Beispiel: Die Freiheit, die den Rechten und Klimawandelleugnern so wichtig ist: 50:01 Werde, der du bist: 59:31 Ich sage in diesem Vortrag, man könne den Klimawandel bekämpfen, ohne Antikapitalist zu sein. Das ist eine unglückliche Formulierung, die leicht missverstanden werden könnte: Wollen wir unsere Mitwelt bewahren, braucht es einen grundsätzlich anderen Umgang mit dieser und auch ein anderes Wirtschaften. Wer den Kapitalismus gutheißt und unterstützt, der kann sich folglich nicht ernsthaft gegen den Klimwandel einsetzen. Sehr wohl aber kann und sollte dieser Einsatz ohne Oberflächlichkeiten und linke Kampfparolen auskommen, und nur wenn das Wort als links-ideologischer Hirnabschaltbegriff genommen wird - der es aber in der Tat auch ist, wenn es etwa auf einer Fridays for Future-Demonstration fällt -, muss Der nicht antikapitalistisch sein, der dem Klimwandel entgegenwirken will.