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NachrichtenKultur & Gesellschaft

Auf den Tag genau

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.

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Folgen von Auf den Tag genau

2057 Folgen
  • Folge vom 11.10.2022
    “Die Schlimme Botschaft” von Carl Einstein vor Gericht
    Wenn nicht gegen Nackttänzerinnen oder Schnitzlers Reigen wegen Unsittlichkeit prozessiert wurde, dann stand die Kunst wegen vermeintlicher Gotteslästerung vor Gericht. Ein sehr prominenter Fall der jungen Weimarer Republik war die Anklage gegen den heute nahezu vergessenen Autor Carl Einstein und seinen noch heute bekannten Verleger Ernst Rowohlt. Es ging um das Buch „Die schlimme Botschaft“, in dem Jesus auf die Realität und das Christentum des 20. Jahrhunderts trifft und daran verzweifelt, bzw. auch wieder gekreuzigt wird. Ein ähnliches Narrativ galt in Dostojewskis „Der Großinquisitor“ wohl schon 1922 als große Literatur. Rowohlt und Einstein mussten sich, angezeigt von religiösen Eiferern, die im Zweifelsfall das Buch gar nicht gelesen hatten, vor Gericht erklären. Mit Blick auf die Verbotsdebatte um Monty Python’s „Life of Brian“ Ende der 1970er Jahre ist uns eine solche Debatte um die Kunstfreiheit wohl näher als wir meinen. Während es aber bei John Cleese und co. nur darum ging, ob der Film gezeigt werden durfte, mussten Verleger und Autor 1922 allerdings eine Haftstrafe fürchten. Und tatsächlich wurden sie verurteilt und das Buch nach 200 verkauften Exemplaren vom Markt genommen. Immerhin wurde die Strafe in eine Geldstrafe verwandelt, die allerdings empfindlich ausfiel. Frank Riede war zusammen mit dem Vorwärts vom 11. Oktober beim Prozess dabei.
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  • Folge vom 10.10.2022
    Künstlerinnen
    Die Malerinnen Dora Hitz und Martel Schwichtenberg sowie die Bildhauerinnen Milly Steger und Emy Roeder waren Anfang der Zwanziger Jahre allesamt etablierte Künstlerinnen, die im Herbst 1922 zeitgleich in verschiedenen Galerien in Berlin ausstellten. Wahrscheinlich veranlasste diese zeitlich-räumliche Koinzidenz den Kunstkritiker und Feuilletonisten Max Osborn zu einer Sammelrezension – überschrieben: „Künstlerinnen“. So sehr wir uns über diese Trouvaille freuen, die einen Blick auf die wenig beachtete Künstlerinnenszene wirft, so sehr lässt sich der männliche Blick des Autors auf die Werke und ihre Schöpferinnen nicht leugnen. Für uns macht diese Perspektive auf Künstlerinnen der Weimarer Republik, die es heutzutage vielleicht wiederzuentdecken gilt, Frank Riede lebendig.
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  • Folge vom 09.10.2022
    Die Modernität von Webers “Oberon”
    Carl Maria von Webers romantische Oper Oberon ist Musikliebhaberinnen und -liebhabern wohl auch heute noch ein Begriff, auf den Spielplänen der Opernhäuser sucht man selbige jedoch weitgehend vergebens. Auch schon vor einhundert Jahren galt sie wegen vermeintlich kruder Form und Handlung weithin als Machwerk, was Kritiker Erich Urban von der B.Z. am Mittag beim Wiedersehen anlässlich einer Neueinstudierung an der Berliner Staatsoper indes nicht länger teilen mag. In der sprunghaften Dramaturgie von Webers letzter Oper entdeckt er in seiner Rezension vom 9. Oktober 1922 vielmehr ungeahnte Bezüge in die Moderne. Es liest Paula Leu – und vielleicht hört man ja auch in der einen oder anderen zeitgenössischen Dramaturgiestube zu.
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  • Folge vom 08.10.2022
    Skandal um Arnold Schönberg
    Unter den verschiedenen Strömungen der musikalischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts war der Weg Arnold Schönbergs und seiner sogenannten Zweiten Wiener Schule zweifellos ein besonders kühner und entsprechend heftig angefeindeter. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gerieten etliche Aufführungen der ‘frei-atonalen‘ Kompositionen eben von Schönberg, Berg oder Webern in Wien und Prag in erhebliche Turbulenzen und gingen auch wegen der um sie geführten Saalschlachten respektive als „Watschenkonzert“ in die Geschichte ein. In den 1920er Jahren verlagerte Schönberg seinen künstlerischen Lebensmittelpunkt zunehmend nach Berlin, und auch hier wiederholten sich die Konflikte um sein Werk. Die Rezension seines Pierrot Lunaire im Berliner Börsen-Courier vom 8. Oktober 1922 ‘würdigt‘ kurz die skandalhaften Umstände auch dieses Konzertabends, zeigt sich dann aber doch vornehmlich an der Musik interessiert. Es liest Frank Riede.
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