NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 19.10.2022Die Eröffnung des Renaissance-TheatersDas Renaissance-Theater an der Charlottenburger Hardenbergstraße zählt bis heute zu den architektonischen Kleinodien der Berliner Kulturlandschaft und gilt als ikonischer Bau der 1920er Jahre in Berlin. Dabei ist dieser ursprünglich deutlich älter und wurde anfangs auch gar nicht als Theater, sondern erst als Verbindungshaus, dann als Kino genutzt und erst 1922 zum Theater umgebaut – zunächst allerdings auch noch nicht in der legendären, bis heute gepflegten hölzernen Ausstattung von Oskar Kaufmann. Die sehr kulturaffine Boulevardzeitung B.Z. am Mittag zeigt sich am 19. Oktober in ihrem Bericht von der Eröffnungspremiere zumindest ein paar Sätze lang dennoch durchaus angetan von der architektonischen Gestaltung des Hauses, um im weiteren Verlauf des Textes dann aber doch eher zu den klassischen Fragen des Rezensionsfeuilletons zurückzukehren. Bei Lessings damals wie heute selten gespielter Miß Sara Sampson war Paula Leu.
-
Folge vom 18.10.2022Der Psychotechnische KongreßWenn Sie ein Tier wären, welches Tier wären Sie? Wieviel Smarties passen in einen VW-Bus? Wer ist ihr größtes Vorbild und warum? Solche Fragen bei Bewerbungsgesprächen basieren auf der Idee, mit Unterstützung von psychologischem Know-How eine bessere Auslese der Kandidat:innen zu gewährleisten. Um dies systematisch zu untersuchen und zu diskutieren, trafen sich vom 10. Bis zum 14. Oktober 1922 internationale Psychologen auf einem Psychotechnischen Kongreß in Berlin. Der Vorwärts berichtete in der Ausgabe vom 18. Oktober. Frank Riede liest.
-
Folge vom 17.10.2022Das geleugnete Organ - Schule und SexualerziehungEs ist verständlich, dass unser Blick auf die Zwanziger Jahre in Berlin, die sexuelle Freizügigkeit bestimmter Milieus sowie die Tanz-, Party- und Drogenszene hervorhebt, macht dies doch einen Teil der Anziehungskraft von Serien wie Babylon Berlin aus. Die „Goldenen Zwanziger“, der „Tanz auf dem Vulkan“ leben von dieser Seite Berlins, die es auch zweifellos gab. Wieviel verklemmter und puritanischer andere Teile der Gesellschaft mit der Sexualität umgingen, zeigten uns etwa der Prozess gegen die Aufführung von Schnitzlers Reigen, oder der Kampf der Sexualreformer. In der heutigen Folge druckt die liberale Berliner Volks-Zeitung vom 17. Oktober die Forderung nach einer Reform der schulischen Sexualkunde ab. Es solle endlich das geleugnete Organ zu seinem Recht kommen. Wie es uns immer wieder in der journalistischen Landschaft der Zwanziger Jahre begegnet, kommt es hier auch zu der Situation, dass der tatsächlich progressive Autor bei seinem Kampf gegen veraltete Moralvorstellungen selbst gleichzeitig nicht frei ist von zeittypischen homophoben Überzeugungen. Es liest Frank Riede.
-
Folge vom 16.10.2022Thomas Mann und die deutsche RepublikThomas Manns sich im Herbst 1922 immer klarer abzeichnende Metamorphose vom kaisertreu-nationalkonservativen Saulus zum liberal-republikanischen Paulus war hier im Podcast bereits vor einigen Wochen anlässlich der Veröffentlichung seines Essays „National und international“ ausführlich Thema. Noch prominenter wirkte diesbezüglich indes seine (eigentlich dem 60. Geburtstag Gerhard Hauptmanns geltende) Rede ‘Von deutscher Republik‘ vom 13. Oktober des Jahres, in der er sich klar zu eben dieser bekannte und sich vor allem an die studentische Jugend wandte, es ihm gleich zu tun. Im 8-Uhr-Abendblatt vom 16. Oktober berichtet Autor Kurt Pinthus vom Auftritt Manns im Beethovensaal der Alten Philharmonie und beurteilt das dort Vernommene, nicht überraschend, positiv, wenngleich er sich Manns politisches Statement wohl durchaus noch konsequenter vorstellen könnte. Es liest Frank Riede.