NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 31.10.2022Mussolini MinisterpräsidentSo wie sich die Machtübernahme der Faschisten in Italien schon Monate zuvor abgezeichnet hatte, der Marsch auf Rom in der Luft hing, so schnell war der gewaltsame Aufstand auch schon vorbei. Der italienische König stellte sich neben die Faschisten, Mussolini zog bejubelt in Rom ein und bildete ein Kabinett, Widerstand von Truppenteilen oder Arbeitern wurde brutal niedergemetzelt. Der Bericht aus der Berliner Morgenpost vom 31. Oktober 1922, also drei Tage nach dem „Marsch“ schildert nicht nur den Sieg der Faschisten, sondern macht auch klar, wie sehr es zur Strategie Mussolinis gehörte, die freie Presse auszuschalten und auf dem Gebiet der Informationen die Hoheit zu gewinnen. Für uns liest Paula Leu.
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Folge vom 30.10.2022Die RutenbündlerEine brutal kämpferisch, militaristisch und kompromisslos auftretende Bewegung, wie die italienischen Faschisten, war an die Macht gekommen. Wofür stand sie eigentlich genau? Nun an der Spitze der Institutionen angekommen, würde sie ja reale Politik machen müssen. Wie würde sich die Bewegung dadurch transformieren? Auf diese Fragen versuchte der Berliner Börsen-Courier eine Antwort zu geben. In manchen Punkten sicherlich voll genauer Beobachtungen, fällt die Analyse dennoch definitiv zu optimistisch aus. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 29.10.2022Eine Siedlung für die KriegsversehrtenDas kleine Örtchen Golzow im Oderbruch verdankt seine heutige Bekanntheit der vielbeachteten DEFA-Langzeitdokumentation Die Kinder von Golzow, die in insgesamt zwanzig zwischen 1961 und 2007 entstandenen Filmen das Leben etlicher Menschen dieses Dorfes über den Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert dokumentierte und mit diesem rekordverdächtigen Projekt Filmgeschichte schrieb. Was für ein bemerkenswerter Zufall, dass es die Berliner Morgenpost am 29. Oktober 1922 auch schon just in diesen Flecken an der Alten Oder verschlug und sie dort – möglicherweise – den Großeltern oder Urgroßeltern einiger ‘Kinder von Golzow‘ begegnen ließ. Anlass für ihren Ausflug ins ganz flache brandenburgische Land war eine soziale Großtat: Ein örtlicher Großgrundbesitzer, der selbst lange Monate des Ersten Weltkriegs im Lazarett gelegen hatte, stellte einen großen Teil seiner Ländereien schwer kriegsversehrten Heimkehrern und ihren Familien zur Verfügung, auf dass sie sich dort eine neue Existenz aufbauen konnten. Für uns hat sich Paula Leu dort umgesehen.
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Folge vom 28.10.2022Tschitscherin in PisaDer 28. Oktober 1922 ging ein in die Geschichte als Tag des sogenannten ‘Marsches auf Rom‘, mit dem Benito Mussolini seine über zwei Jahrzehnte währende unheilvolle Herrschaft über Italien begründete. Die Berliner Morgenzeitungen wussten von diesen Vorgängen damals naturgemäß noch nichts, und auch die Abendausgaben vermeldeten allenfalls ein paar vage Gerüchte. Das Berliner Tageblatt bewies dennoch insofern einen guten Riecher, als es in Person eines seiner – und unserer – Lieblingskolumnisten Arnold Höllriegel eine so skurrile wie erschreckende Szene aus der italienischen Provinz kolportiert, die die fortschreitende Machtergreifung der Faschisten im Lande eindrücklich dokumentiert. Die geschilderte Begebenheit soll sich bereits im Frühjahr 1922 im Nachklang der politisch hochkarätig besetzten Wirtschaftskonferenz von Genua abgespielt haben, und was an ihr Dichtung, was Faktum ist, spielt eigentlich keine Rolle. Als unser Agent in Pisa mit von der Partie war Frank Riede.