NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 16.11.2022Der KettenbriefHeute verbreiten sie sich in Windeseile über soziale Netzwerke, früher kamen Sie gemächlich im Rhythmus des Postdienstes: Kettenbriefe. Wer das Schneeballprinzip durch vermehrtes Versenden befeuert, dem lächelt angeblich das Glück entgegen, wer hingegen die Kette unterbricht, den wird, so die Drohung, ein Unglück ereilen. Nachweisbar sind solche Briefe, die unerwartet im Briefkasten landen, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im angelsächsischen Raum. Im November 1922 erreichten sie einen Autor in Berlin-Steglitz, der für das dortige Lokalblatt schrieb, das schon die mit 80.000 Einwohnern größte Landgemeinde Preußens mit Nachrichten versorgte, bevor diese 1920 zum Stadtteil Berlins wurde. Sein Plädoyer für eine aufgeklärte Haltung gegenüber Kettenbriefen liest Paula Leu. Ob ihn allerdings in den Folgewochen ein Unglück ereilte, verrät uns das Archiv des Steglitzer Anzeigers nicht.
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Folge vom 15.11.2022Löbe, Adenauer oder Stresemann - Wer wird neuer Kanzler?Und neuerlich sah sich im Herbst 1922 eine Reichsregierung zur Aufgabe gezwungen. Das Kabinett Wirth II, immerhin bereits das siebente seiner Art in gerade einmal vier Jahren Republik und mit knapp über einem Jahr Laufzeit sogar das bis dato am längsten amtierende, hatte im November 1922 seine parlamentarische Mehrheit verloren, und nicht nur die Partei- und Fraktionsvorsitzenden der verschiedenen Lager, sondern auch die Vertreter der Hauptstadtpresse sondierten mal wieder mögliche neue Konstellationen und Kandidaten. Die Berliner Volks-Zeitung spekuliert in ihrer Ausgabe vom 15. November dabei interessanterweise über drei Namen, von denen zwei später, teilweise deutlich später tatsächlich noch zu Kanzlerehren kommen sollten. Der richtige Name des unmittelbaren Wirth-Nachfolgers Wilhelm Cuno hingegen wird in dem Text nicht genannt, wohl aber das Modell des von Cuno schließlich angeführten, mehr oder weniger überparteilichen Expertenkabinetts bereits als Möglichkeit in Erwägung gezogen. In die Wirren der Weimarer Parteiendemokratie blickt für uns Frank Riede.
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Folge vom 14.11.2022Das Erdbeben von ChileChile liegt im sogenannten Pazifischen Feuerring, einer sich rund um den Pazifischen Ozean erstreckenden Zone hoher seismischer und vulkanischer Aktivität, weshalb das Land immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht wird. Am 11. November 1922 hatte ein solches vor allem die Wüstenregion Atacama getroffen. Schreckensberichte über Zerstörungen und vermeintlich vierstellige Opferzahlen machten bald auch am anderen Ende der Welt die Runde, wo die Berliner Presse sich um verlässliche Informationen und eine seriöse Einschätzung der Lage bemühte. Dabei baute die Vossische Zeitung auf die Expertise des in Berlin ansässigen Reiseschriftstellers Colin Roß, der sich erst unlängst länger in Chile aufgehalten und von dort – auch in diesem Podcast – berichtet hatte. Seinen Hintergrundartikel zu den Umständen der Katastrophe aus der Ausgabe vom 14. November 1922 liest für uns Paula Leu.
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Folge vom 13.11.2022Über Traditionen am MartinstagDer Sankt-Martins-Tag am 11.11. gehört zu den ganz wenigen Daten des Kirchenjahres, die auch heute noch fest in der Alltagskultur verankert sind. Der uns so vertraute Brauch des Laternelaufens ist indes erst im Laufe des 20. Jahrhunderts vom Rheinland ausgehend wirklich populär geworden. Ein im Folgenden von Frank Riede verlesener Bericht aus der Germania vom 13. November 1922 über damalige Feierlichkeiten an Martini nennt Umzüge mit Lampions dann auch nur ganz am Rande. Im Zentrum der Betrachtung steht hier vielmehr die Tradition deutlich größerer, offener Martinsfeuer, die seinerzeit offenbar sehr lebendig war und die hier – durchaus überraschend für eine so katholische Zeitung wie die Germania – in eindeutige Kontinuität zu heidnischen Ritualen gestellt wird.