NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 08.11.2022Das Sterben der deutschen EleganzMit dem Sterben der deutschen Eleganz befasste sich am 8. November 1922 in der Neuen Zeit der Schriftsteller Egon Straßburger. Es ist, wenig überraschend, ein Bericht über den Niedergang der hohen und differenzierten Kunst der Vorkriegszeit, in der jedes Einstecktuch, jedes Detail bewusst und gekonnt eingesetzt wurde von denjenigen, die sich im Spiel mit den Normen kleiden konnten. Die Welt des „köstlichen“ Geschmacks und der feinen Equipagen schien für immer unter zu gehen. Paula Leu bringt uns diesen Umbruch näher.
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Folge vom 07.11.2022Zehn Jahre Deutsches Opernhaus CharlottenburgFür die kulturelle Vielfalt Berlins mit heute etwa noch drei Opernhäusern gibt es diverse Gründe. Einen davon kann man in dem Reichtum seiner Vorstädte ausmachen. Die heutige Deutsche Oper in der Bismarckstraße zum Beispiel ist die Nachfolgeinstitution des alten Deutschen Opernhauses Charlottenburg, mit dessen Eröffnung 1912 die bis 1920 eigenständige, überaus wohlhabende Gemeinde im Westen Berlins ihre kulturellen Ambitionen energisch unterstrich. Klar, dass eine derart selbstbewusste bürgerlich geprägte Kommune mit immerhin 300.000 Einwohnern auch über eigene eingesessene Presseorgane verfügte. Die Neue Zeit war und blieb auch nach der hier wenig beliebten Fusion zu Groß-Berlin eine Charlottenburger Tageszeitung, die in ihrer Ausgabe vom 7. November 1922 mit entsprechend lokalpatriotischem Stolz auf ‘ihr‘ Opernhaus blickt und dessen zehnjähriges Jubiläum zum Anlass nimmt, an den steilen Aufstieg Charlottenburgs von einer biederen Ackerbürgerstadt zur Kulturmetropole zu erinnern. Frank Riede stammt nicht aus Charlottenburg, er liest aber trotzdem.
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Folge vom 06.11.2022Sling als LustspielautorPaul Schlesinger alias Sling ist regemäßigen Hörerinnen und Hörern unseres Podcast mit Sicherheit ein Begriff, denn als umtriebiger Feuilletonist und Gerichtsreporter zählt er zu den fleißigsten Beiträgern von Auf den Tag genau. Nicht mehr ganz so bekannt ist heute, dass er mit dieser Tätigkeit keineswegs ausgelastet war, sondern sich nebenbei auch noch etwa als Kinderbuch- und Lustspielautor betätigte, als der er zu Lebzeiten ebenfalls durchaus erfolgreich reüssierte. Als im Herbst 1922 sein Opus „Die Erwachsenen“ im Komödienhaus am Schiffbauerdamm, unweit des heutigen Berliner Ensemble, zur Uraufführung kam, waren nicht nur Kollegen Slings von der Vossischen Zeitung, sondern Vertreter nahezu aller Berliner Presseorgane anwesend. Wir haben uns für die Rezension von Paul Wiegeler aus der B.Z. am Mittag vom 6. November entschieden und Frank Riede die Lektüre anvertraut.
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Folge vom 05.11.2022Die Erde auf der WiegeschaleDie Wissenschaft soll ihre Erkenntnisse erklären und sich erklären, wofür ihre Forschung einem Jeden praktisch nutzt. Mit dem ersten Teil dieser auch heute erhobenen Forderung war der 1875 in Berlin geborene Schriftsteller und Wissenschaftspublizist Bruno Bürgel mehr als einverstanden und entwickelte sich zu einem begnadeten Wissenschafts-Kommunikator, der astronomische Kenntnisse nicht nur in Publikationen und Vorträgen, sondern auch über den entstehenden Rundfunk verbreitete – eine Art Harald Lesch der 1920er. Am 5. November 1922 schrieb er für die Berliner Morgenpost über die wissenschaftliche Beantwortung der Frage nach dem Gewicht des Erdballes und damit auch ein Plädoyer für die Grundlagenforschung, die nicht primär nach dem praktischen Nutzen fragt. Für uns wiegt die Erde Paula Leu.