NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 04.11.2022Ausflug in die Welt mit Gabriele TergitGabriele Tergit gehört mittlerweile fraglos – wieder – zu den prominentesten Autor*innen der Weimarer Republik. 1933 vor den Nazis geflüchtet und, wie so viele andere auch, nach 1945 weitgehend in Vergessenheit geraten bzw. geblieben, kehren ihre Bücher seit geraumer Zeit mit erstaunlicher Auflage auf den Buchmarkt und in die Literaturhäuser und Feuilletonspalten zurück. Dabei hinterließ die Tergit nicht nur große Romane, sondern war ursprünglich vor allem eine Meisterin kleiner Formen, die sie in der Regel für die Veröffentlichung in Zeitungen produzierte. So auch ihren „Ausflug in die Welt für 2 Mark“ aus dem Berliner Tageblatt vom 4. November 1922, der zwar so manches ethnische Klischee streift, aber doch auf sehr feinnervige Weise vom kosmopoliten Leben in bzw. zwischen den Metropolen der 1920er Jahre berichtet. Für uns an ihre Fersen geheftet hat sich Paula Leu.
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Folge vom 03.11.2022Im Linien-Flugzeug über den GroßglocknerWerbewirksam lud der Junkers Flugdienst zu einem Flug über die Alpen in einer Passagiermaschine. Man war sich sicher: die Zukunft des Personenverkehrs sind Fluglinien. Rolf Brandt war für die Berliner Morgenpost an Bord und berichtet begeistert von dem Flug, bei dem der Kapitän sich durch die Wolken hindurch an markanten Landschaftsformationen, Seen, Bergen orientieren musste. Die Etablierung von Fluglinien wurde für die Weimarer Republik dadurch erschwert, dass die Auflagen der Alliierten den Bau von Flugzeugen zunächst untersagten, insofern sind Mutmaßungen über die hier eingesetzte Maschine, wie sie unser Unterstützer Ralf angestellt hat, ganz spannend. Die Junkers-Werke hatten zahlreiche Flugzeuge des Typs F13, das der Beschreibung in diesem Artikel entspricht, dennoch gebaut und in Hallen auf den Land und im Ausland versteckt. Unter anderem bei der Danziger Luftpost – die die Flugzeuge speziell gelb-schwarz anstrichen. Es könnte sich also um eine nach Aufhebung des Verbots aus Danzig zurückgeholte F13 handeln. Aber genug der Spekulationen. Genießen wir den Flug im Gebirge. Für uns war Frank Riede an Bord.
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Folge vom 02.11.2022Gegen den deutschen FaschismusWährend die Berliner Presse über den beinahe reibungslosen Sieg der italienischen Faschisten berichtete, lag als nächster Schritt der Blick auf die Reaktionären Bewegungen und den Faschismus in Deutschland nahe. Würden die monarchistisch-nationalistischen Kräfte mit einem Putsch mehr Erfolgsaussichten haben als beim Kapp-Putsch 1920? Verständlicher Weise schrillten bei den deutschen Kommunisten die Alarmglocken am lautesten, war ja der Widerstand der Arbeiter gegen Mussolini in sich zusammengebrochen. In ihrer Parteizeitung, der Roten Fahne finden wir am 2. November 1922 eine eindrückliche Warnung, dass alle europäischen reaktionären Bewegungen nun Aufwind haben und auch die Weimarer Republik einem Faschistischen Aufstand zum Opfer fallen könnte. Der verarmende Mittelstand, das rechte Militär, das nach rechts blinkende Bürgertum verheißen nichts Gutes – und die Rote Fahne teilt aber auch gegen die Sozialdemokratie aus, die dem Bürgertum zu unrecht vertraut. Paul Leu liest.
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Folge vom 01.11.2022450. Geburtstag von Lukas Cranach d. ÄlterenIn diesem Podcast haben wir in den vergangenen beinahe drei Jahren von dem heftig diskutierten, aber immer wieder für Schlagzeilen sorgenden, Eugen Steinach und dessen Verjüngungstherapien berichtet, der Traumvorstellungen von ewiger Jugend weckte. Das mittelalterliche Pendant dazu war der mythische Jungbrunnen, den man alt betrat und jung verließ. In der Gemäldegalerie Berlin hängt das einzige große Tafelgemälde dieses Sujets. Ein skurriles und ungewöhnliches Gemälde, ein ebenso sexistisches Gemälde. Gemalt hat es Lucas Cranach der Ältere im Jahre 1546. Seine Geburt wird und wurde auf 1472 datiert, weshalb 1922 sein 450 Geburtstag gefeiert wurde. Für die Berliner Börsen-Zeitung vom 1. November blickte der Dichter Hans Benzmann auf die berühmtesten Gemälde, das Leben und die sich einer klaren Einordnung entziehende Malweise des Künstlers. Frank Riede verjüngt für uns diesen Text.