NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 23.10.2022Königskrönung in RumänienNach zweidreiviertel Jahren und über 1000 Folgen Podcast kennt zumindest einmal die europäische Landkarte von Auf den Tag genau nicht mehr allzu viele große weiße Flecken. Zu den wenigen, die es doch noch gibt, zählt der von der Berliner Tagespresse der 1920er Jahre wenig beachtete östliche Balkan, weshalb wir uns heute dankbar auf einen Artikel aus der Vossischen Zeitung vom 23. Oktober 1922 stürzen, der uns nach Siebenbürgen führt. Seit dem Weltkrieg zu Rumänien gehörig, war dessen historische Hauptstadt Alba Iulia – das alte, nach dem Vater Maria Theresias benannte Karlsburg – nun Schauplatz einer spektakulären Krönungszeremonie, in der der bereits seit 1914 amtierende rumänische König Ferdinand I. aus dem Hause Hohenzollern und seine Frau Maria zu König und Königin des sich erheblichen Territorialgewinnen des Weltkriegs verdankenden Großrumäniens krönen ließ. Dabei war, als angeblich einziger deutscher Pressevertreter, Georg Strelisker. Und für uns Paula Leu.
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Folge vom 22.10.2022Mengelberg mit dem Concertgebouw in BerlinDass das Amsterdamer Concertgebouw Orchester heute zu den führenden Klangkörpern der Welt zählt, wird nachhaltig noch immer auf das langjährige Wirken Willem Mengelbergs zurückgeführt. Stolze fünfzig Jahre, von 1895 bis 1945, stand Mengelberg als Chefdirigent an dessen Spitze, und weit über die Grenzen der Niederlande strahlte der Glanz dieser glücklichen künstlerischen Langzeitbeziehung aus. So auch nach Berlin, wo im Herbst 1922 ein Gastspiel des Concertgebouw mit Werken von Beethoven, Weber und Richard Strauss sowie Gustav Mahlers Achter Symphonie auf dem Programm stand. Letztere wurde mit besonderer Spannung erwartet, weil Mengelberg mit Mahler persönlich befreundet war und seinen Mahler-Interpretationen deshalb vielfach Referenzcharakter zugesprochen wurde und teilweise auch heute noch wird. Für die Deutsche Tageszeitung vom 22. Oktober 1922 berichtete aus der Berliner Philharmonie Hermann Springer, für uns Frank Riede.
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Folge vom 21.10.2022Lloyd George in drei MinutenDer Gedanke, dass ein britischer Premierminister abtritt und ein ernstzunehmender hiesiger Publizist sehnsüchtig mit dem Wunsch kokettiert, dann möge jener doch jetzt die deutsche Regierung übernehmen, erscheint unserer Tage, gelinde gesagt, etwas abwegig. Als der liberale David Lloyd George im Oktober 1922 von Hinterbänklern seines konservativen Koalitionspartners gestürzt wurde, war indes genau dies der Fall. Kein geringerer als der von uns heute vor allem als glühender Nazi-Gegner erinnerte Emil Ludwig blickte schon damals etwas neidisch auf die politische Kultur auf der Insel und vor allem auf den scheidenden Premier, ehedem immerhin erbitterter Weltkriegswidersacher. Was Ludwig in seinen drei Miniaturen für das 8-Uhr-Abendblatt vom 21. Oktober skizziert, hat dabei durchaus nichts von einer Hagiographie. Vielmehr zeichnet er das äußerst differenzierte Bild eines Politikers von sehr britisch sachlicher, stilvoller, aber auch machtbewusster Rationalität, nach der sich mancher heute – nicht nur, aber vielleicht gerade auch im Vereinigten Königreich – wieder sehnen mag. Es liest Frank Riede, der dafür doch etwas mehr als drei Minuten braucht.
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Folge vom 20.10.2022Mit Gabriele Reuter auf HiddenseeDie Ostsee galt auch schon vor einhundert Jahren als so etwas wie die Badewanne des Berliners. Allerdings war seinerzeit, um im Bild zu bleiben, noch nicht das ganze Jahr über Waschtag. Die bekannte Romanautorin Gabriele Reuter schwärmt in ihrem Artikel für das Berliner Tageblatt vom 20. Oktober 1922 entsprechend ausgiebig nicht nur für die Insel Hiddensee, sondern vor allem für das Privileg, dort abseits der Saison, allein mit den Einheimischen und ein paar Künstlern zu verweilen. Was sie über die Verhältnisse in den Sommermonaten zu berichten weiß, scheint von heutigen Exzessen des Overtourism zwar durchaus noch einigermaßen weit entfernt. Dennoch durchzieht die Sorge um den Fortbestand des nordisch-maritimen Eilandidylls ihren gesamten Inselspaziergang. Auf diesem begleitet sie für uns Paula Leu.