NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 12.11.2022Das Vermögensrecht der EhefrauWas waren die Auswege aus einer wirtschaftlichen Abhängig der Frau vom Mann in einer Ehe. Gütertrennung? Das Auszahlen von einer Art Lohn für die „häusliche“ Arbeit durch den Ehemann? In einem Artikel der Neuen Zeit vom 12. November 1922 diskutiert die Juristin Anna Mayer diese Fragen. Wie so oft in unserem Podcast, dokumentieren wir mit dieser Folge Zweierlei: Auf der einen Seite den mühsamen Kampf um die rechtliche Gleichstellung der Frau und um ihre wirtschaftliche Freiheit, auf der anderen Seite aber auch unhinterfragte, als selbstverständlich betrachtete Annahmen über die Stellung der Frau, die uns heute empören dürften, damals aber auch von fortschrittlichen Frauen, wie dieser Autorin, oftmals nicht hinterfragt wurden oder werden konnten. Paula Leu beschäftigt sich für uns mit der Gütertrennung 1922.
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Folge vom 11.11.2022Beim ‘bayerischen Mussolini’ in MünchenDie Machtergreifung Benito Mussolinis in Italien hatte die politische Tektonik Europas schwer erschüttert. Aus deutscher Perspektive verfügte der faschistische Coup dabei nicht nur über eine außenpolitische Dimension, sondern veränderte erkennbar auch die Einschätzung der innenpolitischen Lage. Konzentrierte sich der Blick nach ‘rechts‘ bislang vor allem auf den militärischen Sektor und kaisertreue Kreise, so gerieten nun vermehrt auch freiradikale neurechte Bewegungen in den Fokus, die bisher ein wenig unter dem Radar geflogen waren. Besonderes Interesse der Hauptstadtpresse zog in diesem Zuge ein selbsternannter ‘bayerischer Mussolini‘ namens Adolf Hitler auf sich, der schon seit geraumer Zeit in München mit Hetzreden und prügelnden Schergen auffällig geworden war. Mit der korrekten Schreibweise – mit nur einem ‘t‘ – tut sich das 8-Uhr-Abendblatt in seinem Lagebericht aus der Parteizentrale vom 11. November 1922 noch schwer. Aus welchem ideologischen Holz Hitlers krude ‘Lehre‘ geschnitzt war, macht indes bereits diese frühe Analyse - unter anderem mit vielen schwer erträglichen wörtlichen Zitaten - so unmissverständlich deutlich, dass alle bekannten späteren Beteuerungen, man habe ja nicht gewusst, was Hitler wollte, einmal mehr ultimativ ad absurdum geführt werden. Allein in der Einschätzung, wie ernst man die vom Nationalsozialismus ausgehende Bedrohung zu nehmen habe, sollte der Korrespondent des 8-Uhr-Abendblattes irren. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 10.11.2022Nobelpreis für Albert EinsteinWer kann die Namen Charles Édouard Guillaume, Johannes Stark oder Manne Siegbahn sofort richtig zuordnen? … Es sind allesamt Nobelpreisträger für Physik zwischen 1919 und 1924. Ohne ihre Verdienste in irgendeiner Form schmälern zu wollen, muss man feststellen, dass - nicht nur aus heutiger Sicht - sondern schon damals, Albert Einstein als Träger dieses Preises in der Luft lag. Jedes Jahr wurde er von zahlreichen seiner Kollegen vorgeschlagen, bekam den Preis aber nicht. 1921 sollte es dann so weit sein, aber die Jury konnte sich nicht einigen, da manchem die Relativitätstheorie zu unverständlich war und sie deshalb zögerten. Der Preis wurde in dem Jahr also gar nicht vergeben. Erst 1922 wurde rückwirkend für das Jahr 21 Einstein geehrt, aber nicht explizit für die Relativitätstheorie. Und so kam es zu einer illustren Doppelehrung, da der Physikpreis des Jahres 1922 an Nils Bohr ging für die Erforschung der Struktur der Atome und ihrer Strahlung. Die Vossische Zeitung berichtete am 10. November von den Beschlüssen der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Frank Riede stellt uns die Gewinner vor.
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Folge vom 09.11.2022Klara Bohm-Schuch zum vierten Geburtstag der RepublikAuch exakt vier Jahre nach der Novemberrevolution waren deren Ergebnisse äußerst fragil, blieb die junge Republik durch zahlreiche Feinde in ihrem Inneren bedroht, die die Demokratisierung Deutschlands nie akzeptiert hatten. Dieser Riss durch die Gesellschaft bildete sich naturgemäß auch immer wieder in der Presse ab, deren Organe dem vierjährigen Jubiläum der Republik, je nach politischer Couleur, sehr unterschiedlich viel Raum einräumten. Die größte Emphase legte am 9. November 1922, wenig überraschend, die Parteizeitung der SPD, der Vorwärts, an den Tag, der den Republikgeburtstag in schwerer Zeit seitenlang aus verschiedenen Perspektiven kommentierte. Unsere heutige Wahl fiel dabei auf ein leidenschaftliches republikanisches Plädoyer der Schriftstellerin und SPD-Reichstagsabgeordneten Klara Bohm-Schuch, die für diese ihre Gesinnung unter den Nazis bereits 1936 mit dem Leben bezahlen sollte. Wir erinnern an sie mit unserer Lesung von Paula Leu.