NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 24.11.2022Erste Eindrücke von der Friedenskonferenz in LausanneWas Deutschland nicht erreicht hatte: über den als demütigend empfundenen Friedensvertrag Versailles noch einmal nachzuverhandeln, war dem ehemaligen Kriegsverbündeten Türkei geglückt. Die Entwicklungen des blutigen Griechisch-Türkischen Krieges hatten die militärische Konstellation in Kleinasien so tiefgreifend verändert, dass die alliierten Siegermächte des Weltkriegs an einer Revision des zunächst geschlossenen Vertrags von Sèvres nicht vorbeikamen und die dort festgelegten Beschlüsse bei einer neuen Friedenskonferenz in Lausanne tatsächlich sehr grundlegend zur Disposition stellten. Der Beginn der Konsultationen verlief erwartungsgemäß zäh, weil die Vorstellungen der verschiedenen Teilnehmer weit auseinanderlagen; tatsächlich sollten sie erst im Juli 1923 zu einem Ergebnis führen. Worin konkret die Herausforderungen der Gespräche bestanden und wie der Auftakt verlaufen war, konnte man im Berliner Börsen-Courier vom 24. November 1922 nachlesen. Für uns tut dies Frank Riede.
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Folge vom 23.11.2022Das Café - eine LiebeserklärungAls Geburtsort der europäischen Kaffeehauskultur gilt bekanntlich nicht Berlin, sondern Wien. Aber auch in der deutschen Hauptstadt, wissen wir bereits aus mehreren über die Jahre versendeten Podcastfolgen, war die Liebe zur Bohne und die Neigung, sie in Gesellschaft zu schlürfen, bereits vor einhundert Jahren sehr ausgeprägt – zumindest bei den Vertretern der schreibenden Zunft. Auch Friedrich Raff, Journalist und Drehbuchautor einiger bekannter Streifen aus den später 1920er, frühen 1930er Jahren, hat vermutlich etliche seiner Feuilletons und Filmskripte im Café verfasst oder sich dort dazu zumindest ausgiebig inspirieren lassen. Sein Artikel über die ‘Kaffeebrüder‘ in der Vossischen Zeitung vom 23. November 1922 - der an einem Punkt einen heute nicht mehr gebräuchlichen, weil als diskriminierend angesehenen Begriff enthält - liest sich auf jeden Fall wie eine kleine Liebeserklärung an diese Institution. Paula Leu hat sich für uns zu ihm gesetzt.
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Folge vom 22.11.2022Von Riga nach RevalZu den nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entstandenen neuen Staaten zählen auch die drei flächenmäßig kleinen Länder des Baltikums: Estland, Lettland und Litauen. Im Zweiten Weltkrieg verloren sie wieder ihre Unabhängigkeit, um sie Anfang der 90er in einer Loslösung von der Sowjetunion wiederzuerlangen. Aktuell ist das Baltikum angesichts der revisionistischen Kriegspolitik Russlands wieder besonders im Fokus. 1922 bereiste im Auftrag der Vossischen Zeitung deren Korrespondent in Polen Max Theodor Behrmann Lettland und Estland. In der Ausgabe vom 22. November berichtet er von seiner Überfahrt von Riga nach Reval, das heutige und auch schon damalige Tallinn. Und schon die Weigerung, diese Bezeichnung der Stadt zu benutzen, zeugt von der unverhohlenen Ablehnung des Autors gegenüber den baltischen Staatengebilden, die sich durch den Text zieht. In seinem beständigen Zweifel an deren Überlebensfähigkeit und der wiederkeherenden Polemik gegen den angeblich unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand manifestiert sich eine nicht nur überhebliche, sondern klar deutschnationale Perspektive, die für die liberale Vossische Zeitung eigentlich eher unüblich ist. Für uns reist an den Finnischen Meerbusen Paula Leu.
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Folge vom 21.11.2022Lernt der Mensch aus Naturkatastrophen?Große Naturkatastrophen neigen gelegentlich dazu, den Menschen zumindest kurzfristig zur Besinnung kommen zu lassen; ihn aus dem Kleinklein der alltäglichen Konflikte herauszureißen und bisweilen sogar für einen kurzen Moment seine Sinne für die Absurdität der von Mensch an Mensch beständig verübten Grausamkeiten zu schärfen. Die Erfahrung lehrt freilich auch, dass dieser Moment meist nicht von allzu langer Dauer ist. Bruno Manuels in der Berliner Volks-Zeitung vom 21. November 1922 veröffentlichte Reflexionen über die Konsequenzen aus dem verheerenden chilenischen Erdbeben, über das wir vor einigen Tagen berichteten, sind entsprechend denn auch nicht besonders optimistisch gestimmt. Es liest Frank Riede.