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NachrichtenKultur & Gesellschaft

Auf den Tag genau

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.

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Folgen von Auf den Tag genau

2057 Folgen
  • Folge vom 20.01.2022
    Deutschland entsetzt über Regierungswechsel in Frankreich
    Der Erste Weltkrieg war vor einhundert Jahren bereits seit über drei Jahren vorbei, aber über den Frieden wurde noch immer verhandelt. Im Januar 1922 tat man dies zur Abwechslung in Cannes, wo das Ersuchen des deutschen Vertreters Walther Rathenau um Aufschub der fälligen Reparationszahlungen beim britischen Premierminister Lloyd George und seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand auf überraschend offene Ohren gestoßen war. Schon wenige Tage später waren alle Beschlüsse indes null und nichtig, da das Parlament in Paris Briand die Unterstützung verweigerte und der als antideutscher Hardliner verschriene Raymond Poincaré sich anschickte, Briand an der Regierungsspitze abzulösen und von dort auf die Einhaltung aller Deutschland im Versailler Vertrag auferlegten Pflichten zu pochen. Die deutsche Öffentlichkeit reagierte auf die Wendung allenthalben entsetzt, so auch der Vorwärts am 20. Januar. Es liest Paula Leu.
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  • Folge vom 19.01.2022
    Ein neues Buch von Sigmund Freud
    Zu den zahlreichen historischen Privilegien der Presse in den 1920er Jahren gehörte, dass sie neben vielen anderen epochalen Ereignissen immer wieder auch Neuerscheinungen eines gewissen Dr. Sigmund Freud aus Wien besprechen durfte. Dessen Grundlagenwerke Die Traumdeutung oder Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse waren vor einhundert Jahren zwar bereits längst veröffentlicht und gesellschaftlich rezipiert worden. Freud war jedoch ein äußerst fleißiger Denker und Schreiber, der beinahe im Jahresrhythmus seine Theorie vertiefende neue Studien nachlegte. 1921 war in diesem Zuge die Schrift Massenpsychologie und Ich-Analyse herausgekommen, die schon damals, äußerst prophetisch, die Verführbarkeit politischer Massen durch charismatische Führerfiguren unter die Lupe nahm. Wie unmittelbar biographisch ihn dieses Thema dereinst einholen würde, mochte Freud damals ebenso wenig geahnt haben, wie sein Rezensent in der Berliner Börsen-Zeitung vom 19. Januar 1922, Hanns Brodnitz – der sich anders als Freud nicht mehr rechtzeitig ins Exil retten konnte und 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Es liest Frank Riede.
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  • Folge vom 18.01.2022
    Die Meisterin vom Billardtisch
    Die historischen Wurzeln des Billard-Spiels liegen im Dunkeln, reichen aber vermutlich bis ins späte Mittelalter zurück. Seine moderne Gestalt, was Tisch, Queue und Bälle betrifft, prägte es im 19. Jahrhundert aus, an dessen Ende auch die uns heute noch bekannte Ausdifferenzierung in unterschiedlichste Varianten weitgehend abgeschlossen war: In der britischen Welt setzte sich vor einhundert Jahren das dort bis heute sehr beliebte Snooker durch, während auf dem Kontinent, aber teilweise auch in Amerika das diesem verwandte, aber im Vergleich etwas weniger komplexe Poolbillard in puncto Popularität tendenziell hinter dem lochlosen Karambolage-Billard mit seinen zahlreichen Unterarten zurückblieb. Bei seinem Charakter als Kneipensport wenig überraschend, war Billard lange überwiegend Männersache. Unser heutiger Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 18. Januar 1922 ist jedoch explizit einer Spielerin gewidmet. Dass die Niederländerin Lies Schrier mit ihren spielstarken männlichen Konkurrenten mehr als nur mithalten konnte, nötigt dem Autor dabei hörbar großem Respekt ab, lässt ihn dann und wann aber dennoch in einen leicht gönnerhaften Ton zurückfallen. Es liest Paula Leu.
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  • Folge vom 17.01.2022
    Georg Heym zum (einhundert)zehnten Todestag
    Etlichen Protagonisten der Anfang des 20. Jahrhunderts aufbrechenden Expressionisten-Generation war ein tragisch kurzes Leben und Wirken beschieden. Die Felder des Ersten Weltkriegs wurden nicht nur zum Grab für Abermillionen, sondern auch für einige der größten künstlerische Hoffnungen. Georg Heym schaffte es nicht einmal bis hierher, obwohl er wie kaum ein anderer diese nahenden Schrecken dichterisch vorausahnte. Am 16. Januar 1912 traf Heym sich mit seinem Freund Ernst Balcke, um auf der zugefrorenen Havel bei Gatow Schlittschuhlaufen zu gehen, und kam bei dem Versuch, seinen im Eis eingebrochenen Begleiter zu retten, selbst, gerade vierundzwanzigjährig, ums Leben. Zehn Jahre später ist die Welt längst eine ganz andere geworden. Dennoch nimmt sich das Berliner Tageblatt vom 17. Januar 1922 in Person von Heyms Kollegen und Herausgeber Kurt Pinthus die Zeit, an einen der bedeutendsten deutschen Lyriker anlässlich seines zehnten Todestages zu erinnern. Zu seinem einhundertzehnten tut dies für uns Frank Riede.
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