NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 25.05.2021Gegen die ‘schwarze Schmach’ IDie sogenannte ‘schwarze Schmach‘ war bereits mehrfach Thema hier im Podcast. Alle großen Kolonialmächte hatten im Ersten Weltkrieg Soldaten auch in ihren ‘Überseegebieten‘ ausgehoben, um sie anschließend auf den dortigen, teilweise aber auch auf den europäischen Schlachtfeldern für ihre jeweiligen Kriegsabsichten zu verheizen. Die Franzosen setzten diese Kolonialsoldaten nach 1918 zum Teil auch bei der Besetzung des Rheinlandes ein, was in Deutschland wüst rassistische Phantasien sprießen ließ, die sich – keineswegs nur im äußerst rechten Spektrum – auch in der Tagespresse ausgebreitet fanden. Umso interessanter sind zwei, im Mai 1921 an aufeinanderfolgenden Tagen in der Berliner Volks-Zeitung erschienene Beiträge, die sich gegen dieses dominierende Narrativ zur Wehr setzen und aus für damalige Verhältnisse allemal bemerkenswerter Perspektive auf die Thematik blicken. Der erste dieser beiden Texte vom 25.5. ist zwar seinerseits einleitend einmal mehr nicht völlig frei von problematischer Terminologie. Immerhin verdeutlicht er aber im Folgenden, dass es auch 1921 schon Afrodeutsche gab, und lässt diese auch zu Wort kommen. Gelesen von Frank Riede.
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Folge vom 24.05.2021Adenauer für Aufhebung des AchtstundentagsWer war Anfang 1921 ein aussichtsreicher Kanzlerkandidat? Konrad Adenauer, der damals 45jährige Oberbürgermeister von Köln, einer der politischen Hoffnungsträger der katholischen Zentrumspartei. Seine Nähe zur Industrie, er sollte in den 20er Jahren in zahlreichen Aufsichtsräten, unter anderem der Deutschen Bank und der Deutschen Lufthansa, sitzen, brachte ihm viel Skepsis seitens der Arbeiterparteien ein. In dieser sieht sich die Freiheit vom 24 Mai 1921 bestätigt. Sie kritisiert scharf Adenauers Vorschlag, die Arbeitszeit, über die Achtstundenwoche hinaus, zu verlängern. erst 1918, nach Jahrzehnten des politischen Kampfes, war in Deutschland die gesetzliche Regelung des achtstündigen Arbeitstages festgesetzt worden. Konrad Adenauers Idee führt nicht zur Aufweichung dieser Regelung – von der werden wir hier erst in zwei Jahren berichten können. Für uns regt sich Paula Leu auf.
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Folge vom 23.05.2021Berliner StraßenmusikantenFlöte als Instrument für Straßenmusik. Das erinnert, zumindest diejenigen, die in den 1990ern durch die westdeutschen Innenstädte flanierten, an südamerikanische Bands mit Lautsprecher verstärkten Panflöten. Die prägten 1921 natürlich nicht das Straßenbild. Am 23. Mai berichtet die Berliner Volks-Zeitung von der vielfältigen Straßenmusikkulisse in Berlin. Dabei hat es dem Autor die Blockflötenmusik besonders „angetan“. Ein Musikinstrument, das seit Jahrhunderten – völlig zu Unrecht – keinen besonders guten Ruf genießt. Die verschiedenen Performances beschreibt für uns Frank Riede.
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Folge vom 22.05.2021Rummel in der VorstadtRummel in Berlin – das war nie nur der strahlend-mondäne Luna-Park am Halensee, sondern genauso die Vielzahl seiner ungleich plebejischeren Geschwister in den Vorstädten. Dort gab es zwar keine Gebirgsbahnen, Hippodrome oder drehbaren Häuser. Dafür konnte man hier das ganze Panoptikum großstädtischer Existenzformen mit ihren Freizeit- und Balzritualen gleichsam unter dem Brennglas studieren. Der große Meister der 20er-Jahre-Rummelplatz-Poesie war zweifellos Ödön von Horvath. Aber auch das literarische Feuilleton trieb sich damals gerne zwischen Karussell und Schießbude herum, wie der folgende Bericht aus der Berliner Volks-Zeitung vom 22. Mai 1921 beweist. Es liest von Paula Leu.