NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 21.05.2021Der Fascismus - eine erste AnalyseAnfang 1921 richteten sich die von Benito Mussolini 1919 gegründeten Fasci italiani di combattimento, die Schwarzhemden, dezidiert und aggressiv gegen den Sozialismus und Kommunismus und fanden dadurch einen gesteigerten Zuspruch bürgerlicher Schichten. Damit beginnt über Italien hinaus eine Wahrnehmung des Phänomens Faschismus, 1921 in den Zeitungen noch als „Fas-c-ismus“ geschrieben, was aus dem lateinischen „Fasces“ – dem Machtsymbol Liktorenbündel im antiken Rom gebildet ist. In der von uns gelesenen Berliner Hauptstadtpresse ist einer der ersten Artikel, der sich an einer Analyse dieser neuen politisch wirksamen Erscheinung versucht, der ins Deutsche übersetzte Aufsatz des italienischen Journalisten und Mitglieds der Sozialistischen Partei Italiens Giovanni Zibordi. Er wurde am 21. Mai im Vorwärts abgedruckt und wir haben uns entschieden, ihn in voller Länge von Frank Riede vortragen zu lassen, weshalb unsere heutige Ausgabe von Auf den Tag genau ein paar Minuten länger ausfällt. Angesichts dieses spannenden Zeitdokuments fiel uns diese Entscheidung nicht schwer.
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Folge vom 20.05.2021Ferruccio Busoni als Neuerer des MusiktheatersFerruccio Busoni gehörte um die vorletzte Jahrhundertwende drei Jahrzehnte lang zu den prägenden Figuren des Berliner Musiklebens. 1894 hatte er sich in der Stadt niedergelassen und wirkte hier und von hier als umtriebiger Komponist, Pianist, Dirigent, Essayist, Pädagoge und Musiktheoretiker der anbrechenden Moderne. Nach einigen Jahren des erzwungenen Schweizer Exils während des Weltkriegs kehrte er nach dessen Ende in seine Wohnung am Viktoria-Luise-Platz zurück und befasste sich hier in seinen letzten Lebensjahren insbesondere mit Ideen zu einer Erneuerung des Musiktheaters. Im Mai 1921 kamen in der Staatsoper Unter den Linden erstmals seine in Zürich entstandenen Opern Turandot und Arlecchino auf die Bühne. Die Berliner Volks-Zeitung war bei dieser Berliner Erstaufführung dabei und zeigte sich in ihrer Ausgabe vom 20.5. bei allem Respekt für die Person Busonis doch ein wenig skeptisch gegenüber dem von ihm hier zur künstlerischen Anschauung gebrachten ästhetischen Reformprogramm. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 19.05.2021Elsa BrandströmAls eine der großen Philanthropinnen des 20. Jahrhunderts gilt Elsa Brandström. Die 1888 geborene Tochter des schwedischen Militärattachés in Rußland, lebte zunächst das privilegierte Leben einer „höheren Tochter“, bis sie sich nach dem frühen Tod ihrer Mutter freiwillig als Krankenschwester im Ersten Weltkrieg meldete. Fortan engagierte sie sich, ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit, für Kriegsgefangene und Flüchtlinge, insbesondere in den vom Flecktyphus verheerten Lagern im Osten Rußlands, was ihr den Namen „Engel von Sibirien“ eintrug. Anlässlich einer Ehrung an der Universität Halle berichtet die Vossische Zeitung vom 19. Mai 1921 über das Wirken von Elsa Brandström. Paula Leu liest.
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Folge vom 18.05.2021Italien hat gewähltIm Ersten Weltkrieg auf der richtigen, will heißen: am Ende siegreichen Seite gestanden zu haben, schützte vor anschließender politischer Instabilität bekanntlich nicht. Das historisch prominenteste, folgenreichste diesbezügliche Beispiel war Italien. Die Hoffnungen der ‘Irredentisten‘ auf erhebliche Gebietsgewinne im Mittelmeerraum und im kolonialen Afrika hatten sich nicht erfüllt, wirtschaftliche und soziale Krisen erschütterten das Land. Sozialistische Revolutionsversuche schlugen mehrfach fehl und führten zwei Jahre nach Kriegsende umgekehrt zu einem Erstarken der militanten Rechten, der faschistischen Schwarzhemden, die durch den Parlamentswahlkampf im Frühjahr 1921 eine Blutspur zogen und zynischerweise dennoch gestärkt aus dieser hervorgingen. Mit Blick vor allem auf Südtirol registriert die ihrerseits mindestens konservative Berliner Börsen-Zeitung vom 18. Mai diese neue Spielart des Nationalismus mit einigem Missfallen, sieht von ihr perspektivisch allerdings keine größere Gefahr für die italienische Demokratie ausgehen. Sie sollte, wie wir wissen, schon sehr bald eines Schlechteren belehrt werden. Es liest Paula Leu.