NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 01.05.2021Otto Wels zum 1. Mai 1921Otto Wels gehört zu den großen Ikonen der deutschen Demokratiegeschichte. Am 23. März 1933 war er bekanntlich der letzte Parlamentarier, der im Reichstag vor dessen Selbstauslöschung vom Recht der freien Rede Gebrauch machte und der Standhaftigkeit seiner Partei, der SPD, im Angesicht der sich ankündigenden Barbarei ein bewegendes Tondenkmal setzte. Deren Vorsitzender war Wels insgesamt stolze 20 Jahre – und damit länger als die Herren und Damen Schröder, Müntefering, Platzeck, Beck, Steinmeier, Gabriel, Schulz, Scholz und Nahles zusammen. Als solcher meldete er sich naturgemäß auch am ‘Tag der Arbeit‘ des Jahres 1921 zu Wort und hielt schon damals, in einem Moment großer chauvinistischer Konfrontation, in der Parteizeitung Vorwärts einen flammenden Appell für Völkerverständigung und europäische Einigung. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 30.04.2021Tschecho - SlowakeiZum 1. Januar 1993 kam es zu der Aufsehen erregenden friedlichen Trennung der Tschechen und Slowaken. Die Tschechoslowakei löste sich in den beiden Staaten Slowakei und Tschechien auf. Damit endete, was nach dem Ersten Weltkrieg begonnen hatte, als führende tschechische und slowakische Politiker auf den Friedenskonferenzen die Gründung der Tschechoslowakei durchsetzen. Neben der Tatsache, dass die beiden Sprachen, das Slowakische und das Tschechische, sich sehr nah sind, befreiten sich mit der Staatsgründung die Tschechen und die Slowaken im ersteren Fall von der Fremdherrschaft der Österreicher und im letzteren von der der Ungarn. Eigentlich viele Gemeinsamkeiten, die für diesen Staat sprachen. Und dennoch sahen von Anfang an die Skeptiker in dieser unterschiedlichen „Unterdrückungsgeschichte“ eine enorme Hypothek für den jungen Staat. In einem Bericht aus Prag, der Berliner Börsen-Zeitung vom 30 April, werden die zentrifugalen Kräfte innerhalb der Tschechoslowakei thematisiert und ihre Ursachen beleuchtet. Für uns liest Paula Leu.
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Folge vom 29.04.2021Das ostpreußische Seebad RauschenRauschen an der samländischen Ostseeküste ist, mit einem Wort von Marion Gräfin Dönhoff, einer der zahllosen ostpreußischen Namen, die (fast) keiner mehr kennt. Dabei war das heute russische Swetlogorsk, prominent zwischen Frischer Nehrung und Kurischer Nehrung gelegen, vor einhundert Jahren so etwas wie die Badewanne der Königsberger, die im Sommer freilich alljährlich auch von badehungrigen Gästen aus der Reichshauptstadt in großer Zahl frequentiert wurde. Das Berliner Tageblatt schaut in weiser Voraussicht schon am 29. April 1921 einmal nach dem Rechten und schildert einen Ort, der nach dem langen ostpreußischen Winter so langsam wieder zu frühlingshaftem Leben erwacht, zugleich aber noch alle Annehmlichkeiten der Nebensaison auszustrahlen scheint. Für uns macht sich Frank Riede auf die Reise.
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Folge vom 28.04.2021Der enttäuschende RiesenspargelMan kann den Deutschen ohne Weiteres eine innige Verbindung zum Spargel nachsagen. Eine Ernte von 133.000 Tonnen im Jahre 2018 und ein steter Umsatz mit Spargelzangen, Spargelkochtöpfen und Spargelschälern sprechen eine eindeutige Sprache. Auch die Versuche, eine Sauce Hollandaise zu kochen, nehmen in der Spargelsaison exponentiell zu. Doch der Hype um Spargel ist älter und schon der französische Gastrosoph des frühen 19. Jahrhunderts Jean Brillat-Savarin weiß davon zu berichten. Zur Saison 1921 erzählt der in diesem Podcast regelmäßig auftretende Arnold Höllriegel im Berliner Tagblatt vom 28. April eine Anekdote aus Brillat-Savarins opus magnum „Physiologie des Geschmacks“ nach, in der es um einen gigantischen Spargel und einen enttäuschten Bischof geht. Höllriegels Nacherzählung Brillat-Savarins erzählt für uns Paula Leu.