NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 23.07.2020Die Flucht des Bela KunDie ungarische Räterepublik war, wie so viele andere revolutionäre Projekte der Jahre 1918/19, äußerst kurzlebig. Im Juli 1920 herrschte in Budapest längst wieder die ‘Reaktion‘ mit Reichsverweser Horthy an der Spitze, während sich der Kopf der Räteregierung Bela Kun nach Österreich geflüchtet hatte, um sich nun von dort, im Austausch gegen noch in Russland befindliche österreichische Kriegsgefangene, auf den Weg in die ihm Asyl versprechende Sowjetunion zu machen. Zu diplomatischen Verwicklungen kam es in Deutschland, wo man ihn bei der Durchreise in Swinemünde festsetzte, nach ein paar Tagen aber unter Protest der ungarischen Regierung doch ausreisen ließ. Kun erreichte das gelobte Land des Sowjetkommunismus und entfaltete von hier in der Folge eine umtriebige politische Tätigkeit in ganz Europa – bevor sein Schicksal eine tragische Wendung nahm und er 1938, wie so viele andere Moskauer Exilanten, ein Opfer des großen stalinistischen Terrors wurde. Aus dem Bericht des Berliner Tageblatts vom 23. Juli 1920 über die zwischenzeitliche Internierung Kuns in Deutschland liest Paula Leu.
-
Folge vom 22.07.2020Ein Besuch auf WangeroogeDie Nordseeinsel Wangerooge ist heutzutage vor allem als Reiseziel beliebt. Aber auch schon vor hundert Jahren lebte die östlichste der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln in hohem Maße vom Tourismus. Hatte das Eiland, von Zivilbevölkerung geräumt, während des Krieges noch als Militärstützpunkt gegen die Engländer gedient, so berichtet der Vorwärts am 22. Juli 1920 von einem bereits wieder auf Hochtouren laufenden Pensions- und Gaststättenbetrieb. Die Nachfrage der gut zahlenden Besucher sorgte für einen eigenen, hochpreisigen Wirtschaftskreislauf und dafür, dass es auf diesem isolierten Fleckchen Erde alles im Überfluss und bester Qualität zu kaufen gab. Leidtragende waren die Einheimischen, die nicht vom Tourismus lebten, aber mit enormen Lebenshaltungskosten zu kämpfen hatten. Gelesen von Frank Riede.
-
Folge vom 21.07.2020Sommerbrief aus MünchenAm 21. Juli 1920 wirft die Berliner Börsen-Zeitung einen Blick in die süddeutsche Metropole München. In einem „Sommerbrief“ schildert Richard Rieß, wo die Münchener Bevölkerung sich in der heißen Urlaubszeit Natur, Abkühlung und Entspannung gönnt. Denn es ist eine besondere Situation: Der Tourismus setzt wieder ein, an manchen Stellen erholt sich die wirtschaftliche Lage, und zugleich hat sich die Atmosphäre vielerorts gewandelt – Teuerung und Bürokratie sorgen für eine ganz besondere Sommerfrische 1920. Es liest Paula Leu.
-
Folge vom 20.07.2020800 Jahre FreiburgDass man im Alemannischen auch ruhiger zu feiern versteht als während der alljährlichen Fastnacht, mag überraschen. Bei der 800-Jahr-Feier Freiburgs scheint es allerdings tatsächlich recht beschaulich zugegangen zu sein. Zwar wurde mit einer ganzen Reihe an Veranstaltungen der Stadtgründung durch Conrad von Zähringen im Jahr 1120 gedacht, von einem überbordenden Volksfest aber sei nichts zu spüren gewesen, so zumindest der Sonderberichterstatter der Vossischen Zeitung am 20. Juli. Gelesen von Frank Riede.