NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 15.07.2020Bertrand Russell über SowjetrusslandVon den Eindrücken der englischen Sozialistin Ethel Snowden, die sie sich während der Visite einer Labour-Delegation in Sowjet-Russland machen konnte, haben wir bereits am 27. Juni gehört. Aber auch Bertrand Russell, Cambridge-Philosoph und enfant terrible der britischen Intellektuellenszene, hatte als Gast an der Reise teilgenommen. Seine Eindrücke und kritischen Analysen veröffentlichte er in Form eines Reiseberichts in der englischen Zeitschrift „Nation“, aus dem die Vossische Zeitung am 15. Juli Teile auf Deutsch abdruckt. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 14.07.2020Hindenburg vs. EinbrecherVon einer Villa bei Hannover zum Präsidentenamt. Seit dem Bundespräsidenten a.D. Christan Wulff ist dieser Weg bekannt. Doch auch schon Generalfeldmarschall Hindenburg lebte in einer Villa in der niedersächsischen Metropole, bevor er zum Reichspräsidenten gewählt wurde. 1920 überraschte er nächtens einen Einbrecher, der sich seiner Festsetzung mit mehreren Revolverschüssen zu entziehen suchte. So stand der Held von Tannenberg in seinem Arbeitszimmer in Hannover dem Tod näher als jemals zuvor während des Krieges. Der Vorwärts berichtet mit einer knappen Notiz unter der Rubrik “Aus aller Welt”. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 13.07.2020Ossietzky: Der VölkerbundgedankeAngesichts der Greuel des 1. Weltkrieges legte US-Präsident Woodrow Wilson 1918 ein 14-Punkte-Programm vor, in dem er auch die Schaffung einer zwischenstaatlichen Organisation zum Schutz des Weltfriedens anregte. Mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages unterzeichneten die beteiligten Nationen schließlich auch die Satzung des Völkerbundes. Ironischerweise waren gerade die USA, deren Senat die Ratifizierung des Vertrages ablehnte, kein Teil der neuen Organisation. Aber auch in Deutschland gab es Vorbehalte und Anfeindungen. Im Auftrag der ‚Deutschen Liga für den Völkerbund’ hatte der Freiburger Historiker Veit Valentin daher eine ‚Geschichte des Völkerbundgedankens in Deutschland’ verfasst, welche der Journalist und bekennende Pazifist Carl von Ossietzky am 13.7.1920 in der Berliner Volkszeitung besprach. Ossietzky lobt den Autor nicht zuletzt für seinen leichtfüßigen, fesselnden Stil, gönnt sich aber auch eine Spitze gegen Oswald Spengler, von dessen konfusen Philosophemen über den „Untergang des Abendlandes“ sich Valentins vorurteilslose Geschichtsschreibung wohltuend absetze. Gelesen von Frank Riede.
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Folge vom 12.07.2020Plebiszit im OstenDer Erste Weltkrieg hatte die Landkarte Europas weitreichend verändert. Die meisten Grenzen wurden dabei, wie ehedem, am Reißbrett und nach Art des politischen Kuhhandels neu vermessen. Volksabstimmungen waren, sehr zum Verdruss vor allem der Kriegsverlierer Österreich, Ungarn und Deutschland, nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Entsprechend groß fiel hier die Erleichterung – und die Genugtuung! – über die Ergebnisse der Plebiszite aus, welche im Juli 1920 in Teilen Ost- und Westpreußens abgehalten wurden. Die Tatsache, dass sich in den Abstimmungsgebieten weit über 90 Prozent der örtlichen Bevölkerung (und damit offenbar sogar etliche Angehörige der polnischen Minderheit) für den Verbleib beim ‘Reich‘ und gegen einen Anschluss an die wiedererstandene polnische Republik entschieden hatten, führte zu nationalen Aufwallungen selbst in dezidiert republikanischen Medien wie der Vossischen Zeitung. „Deutscher Sieg im Osten“ titelte selbige leicht patriotisch berauscht am 12. Juli – hier ganz nüchtern gelesen von Frank Riede.