NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 03.07.2020Königin der NachtVon Biologen nach der Mondgöttin im alten Griechenland ‚Selene’ genannt, ist die Königin der Nacht vor allem unter Hobby-Botanikern eine mythische Blume. Die meiste Zeit des Jahres zeigt sich das Kakteengewächs eher schlicht. Die außergewöhnliche Pracht ihrer Blüte aber macht sie zu einer Sensation, die den Botanische Garten Berlin früher regelmäßig zu einer extra Ankündigung veranlasste. An die alten Zeiten, als noch Scharen von Liebhabern in die Potsdamer Straße pilgerten, um das Ereignis zu bewundern, erinnert sich der Kolumnist der Berliner Volkszeitung, Karl Fischer, wehmütig in seinem Beitrag vom 3.7.1920. Mittlerweile - der botanischen Garten wurde zwischenzeitlich aus der Stadtmitte ins ferne Dahlem verlegt - werbe der eigentlich mit ganz anderen Attraktionen aufwartende Lunapark mit der Blume. Die Königin der Nacht als Teil einer seichten Vergnügungsschau im Grunewald. Skandal! Es liest Paula Leu.
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Folge vom 02.07.2020Kriegsreparation: Genter AltarDer sogenannte Genter Altar des Jan van Eyck zählt zu den Prunkstücken der altniederländischen Malerei und zu den bekanntesten Polyptichen der Kunstgeschichte überhaupt. Dabei war er über lange Zeit seiner Existenz paradoxerweise gar nicht als Einheit zu besichtigen. Erstmals bereits im Bildersturm der Calvinisten und später neuerlich auch von den Habsburgern demontiert, wurde der Mittelteil mit der berühmten Szene der Anbetung des Lammes von napoleonischen Truppen schließlich nach Paris verschleppt, derweil die Seitentafeln in den Handel und von dort in den Besitz des preußischen Königs wanderten. Eine plötzliche Möglichkeit, den berühmten Flügelaltar mit all seinen Einzelteilen wieder an seinem Genter Ursprungsort in der Kathedrale Sint Bavo zusammenzuführen, ergab sich nach dem Ersten Weltkrieg. Das vom Deutschen Reich unschuldig überfallene Belgien verhandelte die ‘Rückgabe‘ der Tafeln in den Versailler Friedensvertrag hinein, und tatsächlich verschwanden diese wenig später aus ihrem Kabinett im Kaiser-Friedrich-Museum. Die Vossische Zeitung vom 2. Juli 1920 zeigte sich über den vermeintlichen, die Haager Kriegsrechtkonvention von 1904 tatsächlich verletzenden ‘Kunstraub‘ empört. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 01.07.2020Zoologischer Garten tauscht TiereDer Zoologische Garten von Berlin kämpfte 1920 gegen defizitäre Finanzen und einen aufgrund des Krieges verringerten Tierbestand. Wie sich die Direktion in dieser schwierigen Wiederaufbauphase schlug, davon gibt uns der Bericht aus der Generalversammlung der Aktionäre in der Vossischen Zeitung vom 1. Juli einen Einblick. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 30.06.2020Die AalandkriseIm November 1918 war zwar in ganz Europa der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen. Statt Frieden brachte er in Teilen des Kontinents jedoch weitere, bisweilen kaum weniger blutige Nachfolgekonflikte, deren Langzeitschäden mitunter bis heute zu besichtigen sind. Weitgehend vergessen ist indes eine Auseinandersetzung hoch im Norden Europas, die im Sommer 1920 die erstaunlich breite Aufmerksamkeit der Berliner Presse genoss: Die so nebelverhangenen wie dünnbesiedelten Aalandinseln hatten vor dem Weltkrieg gemeinsam mit Finnland zum russischen Zarenreich gehört, waren mit Finnland in Folge der Revolutionswirren des Jahres 1917 unabhängig geworden und wurden aufgrund ihrer überwiegend schwedischsprachigen Bevölkerung zugleich von Schweden beansprucht. Dass mit Hilfe des Völkerbundes bereits 1921 eine langfristig sehr erfolgreiche Autonomielösung auf den Weg gebracht werden sollte, konnte die Deutsche Allgemeine Zeitung noch nicht ahnen, als sie am 30. Juni durchaus besorgt über eine drohende Eskalation berichtete. Gelesen von Frank Riede.