NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 19.07.2020Verminte FischereiroutenNicht aus Gründen des ökologischen Bewusstseins oder der Tierethik suchte man 1920 nach Ersatz für Fleisch. Es gab schlicht nicht genug und das, was auf dem Markt war, war zu teuer. Für adäquaten Ersatz sollten die Fischbestände der Meere sorgen. Doch wie war der Zustand der deutschen Hochseefischerei? Wie war sie durch den Weltkrieg gekommen und konnte der Bedarf an Fisch für das Deutsche Reich überhaupt gedeckt werden? Diesen Fragen widmet sich Paul Dehn in der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 19. Juli 1920. Paula Leu liest.
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Folge vom 18.07.2020Reparations-Nachverhandlungen in SpaAuch im Sommer 1920, gut anderthalb Jahre nach den letzten Kampfhandlungen, waren viele Fragen der europäischen Nachweltkriegsordnung weiterhin ungeklärt. Die Summe der im Versailler Vertrag festgeschriebenen Reparationen, die Deutschland an die Siegermächte – teils in Goldmark, teils in Kohle – entrichten sollte, hatte man bis dato etwa immer noch nicht festgelegt und zur Erörterung dieser Thematik im Juli eine Nachfolgekonferenz im belgischen Kurort Spaa anberaumt. Inwiefern es der deutschen Delegation hier gelungen war, die weithin als wirtschaftlich erdrückend empfundene Last auf ein realistisches zu Maß zu senken, wurde dabei in der Heimat sehr unterschiedlich bewertet. Während der Industriemagnat Hugo Stinnes den Konferenzort wutschnaubend verließ, beurteilte das Berliner Tageblatt den Ausgang der Verhandlungen in seinem Fazit vom 18. Juli etwas freundlicher. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 17.07.2020Erste Internationale Dada-MesseAm 1. Juli 1920 eröffnete die Erste Internationale Dada-Messe in den Räumlichkeiten des Kunsthändlers Dr. Otto Burchard am Berliner Lützow-Ufer. Mit rund 180 Werken von 31 Künstlerinnen und Künstlern gilt diese Ausstellung als größte öffentliche Aktion der Dadaisten in Deutschland. Der Kunstkritiker Max Osborn setzt sich in seiner Ausstellungs-Kritik mit der Bewegung allgemein auseinander, sowie mit einzelnen Kunstwerken. Sein Fazit ist klar: Aus dem übertriebenen Ulk der Dadaisten ragt nur ein großer Künstler hervor, der Künstler Grosz. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 16.07.2020Chile - eigentlich ein gesegnetes LandDass die sogenannte Globalisierung keine Erfindung des frühen 21. Jahrhunderts, sondern der Begriff in mancherlei Hinsicht durchaus auch schon auf die Welt vor einhundert Jahren anwendbar ist, lässt sich unter anderem auch am damaligen Berliner Zeitungswesen studieren. Obwohl von ihrer Leser-Reichweite noch eher lokal orientiert, hatten ambitionierte Großstadtzeitungen ihren Radius der Berichterstattung seinerzeit längst weit über die Stadtmauern hinaus ausgedehnt und Korrespondentenberichte aus fernen Weltgegenden als Distinktionsmerkmal für sich entdeckt. So ließ es sich etwa die angesehene Vossische Zeitung nicht nehmen, die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen am anderen Ende der Welt in Chile am 16. Juli 1920 in einem ausführlichen Vorbericht zu würdigen. Dieser beschränkt sich dabei keineswegs einfach auf die Wiedergabe von Wahlprogrammen oder -prognosen, sondern wartet mit einer politisch und ökonomisch tiefschürfenden Hintergrundanalyse nebst eingehenden landeskundlichen Darstellungen auf, die den hohen Anspruch des Blattes auf journalistische Exklusivität eindrücklich untermauern. Es liest Paula Leu.