NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 25.05.2020Mode - aus der Not geborenDirekt nach Ausbruch des 1. Weltkriegs hatte Spanien seine Neutralität erklärt. So wurde es schnell zum Zufluchtshafen für diejenigen, welche die Mittel hatten, ihr Vermögen aus den Kriegsgebieten auf die iberische Halbinsel zu verlagern. Nach Ende des Krieges aber führten Spekulation und Schiebertum auch in Spanien zu dramatischen Preissteigerungen bei Produkten des täglichen Bedarfs und Luxusgütern. Schuhe und Hüte waren für einen Großteil der Bevölkerung bald kaum noch zu bezahlen. Konnte man auf letztere notgedrungen noch verzichten, so fand man in den einfachen, traditionellen Alpargatas die Lösung des Schuhproblems. Eine Mode war geboren. Am 25.5. 1920 berichtet die Vossische Zeitung. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 24.05.20203 1/2 Fragen an Ethel Matala de MazzaIn der heutigen Folge unseres monatlichen Interviewformats ‚3 1/2 Fragen an…’ sprechen wir mit der Berliner Literaturwissenschaftlerin Ethel Matala de Mazza. In ihrem 2018 erschienen Buch ‚Der populäre Pakt. Verhandlungen der Moderne zwischen Operette und Feuilleton’ untersucht Matala de Mazza die Rolle der beiden populären Kleinformen für die Transformation der Öffentlichkeit, wie sie sich auf prägnante Weise auch am Berlin der 1920er beobachten lässt. Was aus Sicht der Hochkultur als marginal erscheinen mag, zeigt sich nun als Motor der gesellschaftlichen wie ästhetischen Entwicklung.
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Folge vom 24.05.2020Hasenclevers “Die Menschen” in PragDa die Pfingstsonntagsausgabe 1920 der Zeitungen gewissermaßen auch den Pfingstmontag bespielte, haben wir uns entschieden, heute einen weiteren Artikel, der streng genommen am 23.5.1920 erschien, zu präsentieren. Am 15. Mai feierte das umstrittene Theaterstück des expressionistischen Dichters Walter Hasenclever „Die Menschen“ im Deutschen Landestheater in Prag seine Premiere. Das Stück, in dessen Regieanweisungen Hasenclever versucht, Montageprinzipien des Stummfilms auf die Theaterbühne zu bringen, stieß auf Ablehnung beim Publikum und der Kritik, weshalb das Stück nach wenigen Reprisen abgesetzt wurde. Deutlich positiver schreibt Max Brod in besagter Pfingstausgabe des Berliner Tageblatts über das Stück und die Inszenierung durch Hans Demetz. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 23.05.2020Juchacz: Sozialismus für unsere KinderMarie Juchacz ist eine wichtige weibliche Stimme des frühen 20. Jahrhunderts. Die Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin und Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt saß ab der Einführung des Frauenwahlrechts 1919 als Abgeordnete im Reichstag und hielt als erste Frau eine Rede vor der Nationalversammlung der Weimarer Republik. Am 23. Mai 1920 schrieb sie im sozialdemokratischen Vorwärts anlässlich der kommenden Reichstagswahlen einen Aufruf, der sich besonders an die Frauen richtet, bei der anstehenden Wahlentscheidung an ihre Interessen und die Interessen ihrer Kinder zu denken. Bevor wir an Paula Leu abgeben, die den heutigen Artikel eingelesen hat, müssen wir darauf hinweisen, dass Juchacz zu Beginn eine deutlich rassistische Haltung gegenüber Schwarzafrikanern formuliert, die wir hier als Zeitdokument präsentieren. Es sagt etwas über die Verbreitung und Alltäglichkeit solch rassistischer Ansichten aus, dass auch eine progressive Politikerin wie Juchacz sich ihrer bedient. Konkret war es 1920 ein breiter Konsens über alle Parteigrenzen hinweg, die Stationierung von französischen aus Schwarzafrika stammenden Truppen in den besetzten Gebieten des Rheinlands als ultimative Demütigung zu interpretieren, da ein, so die rassistische Benennung damals, niederes Volk ein Kulturvolk wie die Deutschen mit Waffengewalt in Schach hielt. Es liest Paula Leu.