NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 29.05.2020Das Leiden der PassionsspieleNach dem verheerenden Pestjahr 1633 in Oberammergau schwor die Dorfgemeinschaft Passionsspiele aufzuführen, wenn weitere Pestopfer ausblieben. Da dem so war, fanden 1634 die ersten und fortan im 10-Jahres-Rhythmus Passionsspiele statt. Aktuell wurde die Aufführung für 2020 wegen der Corona-Pandemie um zwei Jahre auf 2022 verlegt. Vor einhundert Jahren druckte das Berliner Tageblatt ein Interview ab, das Erwin Bryk in Oberammergau mit dem Christusdarsteller Anton Lang geführt hatte. Das große Thema des Gespräches ist, ob die Spiele wegen der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge des Ersten Weltkrieges 1920 überhaupt würden stattfinden können. Der Christus der Spiele ist skeptisch. Und tatsächlich wurde auch 1920 die Aufführung wegen der Kriegsfolgen um zwei Jahre auf 1922 verschoben. Es liest Paula Leu.
-
Folge vom 28.05.2020Wählt die USPD!Auf unserem Weg zur Reichstagswahl am 6 Juni 1920 hören Sie heute den Wahlaufruf der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, abgedruckt in ihrer Parteizeitung, der Freiheit am 28. Mai. Ganz systematisch werden darin die um die Wählerinnengunst konkurrierenden Parteien von rechts nach links, von der Deutschnationalen Volkspartei bis zu der als Rechtssozialisten bezeichneten SPD, abgearbeitet, stets mit einer Begründung, warum man diese nicht wählen könne. Da bleibt letztlich nur die USPD. Es liest Frank Riede.
-
Folge vom 27.05.2020Wahlplakate vs. BausubstanzWahlen stehen vor der Tür – aber wohin mit den unzähligen Wahlplakaten? Eine zeitlose Frage. Am 6. Juni fanden die Reichstagswahlen 1920 statt, deren Vorlauf wir nun auch in unserem Podcast verstärkt bespielen wollen. Den Auftakt zu unserer „Berichterstattung“ macht ein am 27. Mai im Vorwärts abgedruckter und kommentierter Aufruf des Magistrats von Berlin, der verhindern will, dass die ganze Stadt beliebig mit Wahlplakaten und -aufrufen zugekleistert wird und es dadurch zur Schädigung der Bausubstanz kommt. Es liest Paula Leu.
-
Folge vom 26.05.2020Zwei MenschenDie traurige Geschichte des Antisemitismus ist lang. Obwohl der Begriff erst Ende des 19. Jahrhunderts durch den deutschen Journalisten, Anarchisten und Gründer der ‚Antisemitenliga’ Wilhelm Marr geprägt wurde, gibt es Judenfeindschaft in unterschiedlichen Ausprägungen schon seit gut 2500 Jahren. Auch in der Weimarer Republik war antisemitische Diskriminierung weit verbreitet. Im Vorwärts vom 26.5.1920 beschreibt Artur Zickler – selbst eine durchaus schillernde Figur zwischen Sozialismus und Nationalismus – in einer Alltagsszene eindrücklich den großen Teilen der Bevölkerung ganz selbstverständlichen Judenhass. Es liest Frank Riede.