NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 10.06.2020Verjüngung der LehrerschaftEine ganze Generation von Schülerinnen und Schülern hat aktuell durch die Schließung der Schulen erhebliche Lücken im Stoff. Daran ändert auch das Homeschooling nichts, zudem dieses sehr vom Engagement und von den Möglichkeiten der Eltern abhängt. Vor hundert Jahren hatte ebenfalls eine Generation mit den Beschulungsausfällen aufgrund des Ersten Weltkriegs zu kämpfen. Hinzu kam allerdings noch die Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Transformation vom Kaiserreich zur Republik, die sich auch in den Lehrplänen niederschlug. Eine Lösung des verantwortlichen Ministeriums damals: radikale Verjüngung der Lehrerschaft. Einen entsprechenden Erlass paraphrasiert und kommentiert die Berliner Volks-Zeitung am 10. Juni. Sehr ungeschminkt wird ein vorzeitiges Ausscheiden älterer Lehrerinnen und Lehrer gefordert. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 09.06.2020Ignaz Wrobel dem deutschen PfahlbürgerAusbürger oder Pfahlbürger waren im mittelalterlichen Stadtrecht diejenigen Personen, die zwar städtische Bürgerrechte genossen, aber außerhalb der Stadtmauern lebten. Im modernen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung synonym mit Spießbürger verwendet. In der Ausgabe vom 9. Juni 1920 der Berliner Volks-Zeitung liest Tucholsky unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel den Pfahlbürgern der Weimarer Republik, die bei den Reichstagswahlen für einen Rechtsruck gesorgt hatten, die Leviten. Für uns liest Frank Riede.
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Folge vom 08.06.2020Für eine „Regierung der Rechten bis zum Zentrum“Die Reichstagswahl vom 6. Juni endete mit einem herben Stimmenverlust der Kanzlerpartei SPD und einem Erstarken der politischen Ränder. Insbesondere konservativ-rechte Parteien wie die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationale Volkspartei verzeichneten deutliche Zugewinne. Kein Wunder also, dass die diesem Lager nahestehende Berliner-Börsen-Zeitung am 8. Juni die bisherige Regierungskoalition aufforderte, einer neuen „Regierung der Rechten bis zum Zentrum“ Platz zu machen. Alle anderen Kombinationen würden dem durch das Wahlergebnis bekundeten Willen des Volkes auf eklatante Weise widersprechen. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 07.06.2020Vormarsch der RechtenZu den großen Verlierern der Reichstagswahl vom 6. Juni 1920 gehörte die bisherige Kanzlerpartei SPD. Zwar gingen die sogenannten Mehrheitssozialisten mit 21,9 % wieder als stimmenstärkste Partei durchs Ziel, büßten im Vergleich zur Wahl im Vorjahr aber satte 16 Prozentpunkte ein. Gewinner des Urnengangs waren neben einer erstarkten USPD zur Linken die republikskeptischen Parteien der Rechten, die Deutschnationale Volkspartei und Stresemanns gemäßigtere Deutsche Volkspartei. Bei der SPD-Parteizeitung Vorwärts sorgte dieses Ergebnis naturgemäß für große Enttäuschung. Obwohl noch kein amtliches Endergebnis vorliegt, betreibt sie in ihrer Abendausgabe vom 7. Juni 1920 erste Ursachenforschung und glaubt einen wesentlichen Grund für die Verluste in der Gespaltenheit der Arbeiterbewegung zu erkennen. Gelesen von Frank Riede.