NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 13.06.2020Der KioskmannDer Trafikant als Seismograph historischer Entwicklungen ist uns spätestens seit Robert Seethalers gleichnamigem Roman von 2012 bekannt. In einem kurzen Text der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 13.6.1920 wird der Kioskmann allerdings noch radikaler als Existenzberechtigung des Menschen überhaupt beschrieben. „Seinetwegen sind und vergehen wir.“ Es liest Frank Riede.
-
Folge vom 12.06.2020Das Nilpferd im HungerstreikAls die Österreichisch-Ungarische Monarchie, die sogenannte k. u. k., also kaiserlich und königliche Monarchie 1918 zerfiel, entstanden eine ganze Reihe neuer, unabhängiger Staaten: Ungarn, die Tschechoslowakei, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Andere Gebietsteile fielen an bereits bestehende Staaten. Zurück blieb die vergleichsweise kleine Republik Österreich, woran, wie böse Zungen behaupten, die österreichische Seele bis heute zu knabbern hat. Mit der Teilung stellte sich auch die Frage, was mit den k. u. k. Staatsbediensteten geschehen sollte, die nun nicht länger Bürger Österreichs waren. So wurden sie schließlich alle entlassen und in ihre neue bzw. alte Heimat geschickt. Nur Deutschösterreicher sollten im Staatsdienst arbeiten, zu dem auch eine solch exklusive Position wie die des Tierpflegers in Schönbrunn gehörte. Und da kam nun ein Nilpferd ins Spiel, das für internationale Verwicklungen sorgte. Arnold Höllriegel berichtet am 12. Juni fürs Berliner Tageblatt aus Wien, Paula Leu liest.
-
Folge vom 11.06.2020Klageschrei der deutschen HausfrauDie 1920er wurden schon vor hundert Jahren gerne die ‚Neue Zeit’ genannt. Der Kaiser hatte abgedankt, eine demokratische Verfassung war in Kraft getreten; neue Medien veränderten das Alltagsleben, Reformbewegungen suchten alternative Lebensmodelle zu verwirklichen und auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wandelte sich. Frauen kritisierten selbstbewusst Missstände der patriarchalischen Gesellschaft. Am 11.6.1920 veröffentlichte das Berliner Tageblatt die spitze Abrechnung mit dem machistischen Cliché der ‚deutschen Hausfrau’ – nicht ohne selbst in einem vorweggestellten Kommentar der Autorin altväterlich über den Mund zu fahren. Es liest Frank Riede.
-
Folge vom 10.06.2020Verjüngung der LehrerschaftEine ganze Generation von Schülerinnen und Schülern hat aktuell durch die Schließung der Schulen erhebliche Lücken im Stoff. Daran ändert auch das Homeschooling nichts, zudem dieses sehr vom Engagement und von den Möglichkeiten der Eltern abhängt. Vor hundert Jahren hatte ebenfalls eine Generation mit den Beschulungsausfällen aufgrund des Ersten Weltkriegs zu kämpfen. Hinzu kam allerdings noch die Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Transformation vom Kaiserreich zur Republik, die sich auch in den Lehrplänen niederschlug. Eine Lösung des verantwortlichen Ministeriums damals: radikale Verjüngung der Lehrerschaft. Einen entsprechenden Erlass paraphrasiert und kommentiert die Berliner Volks-Zeitung am 10. Juni. Sehr ungeschminkt wird ein vorzeitiges Ausscheiden älterer Lehrerinnen und Lehrer gefordert. Es liest Paula Leu.