NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 06.06.2020Die Tribüne: BunburyAm 6. Juni 1920 war Reichstagswahl. Nach den Wahlkampfartikeln der letzten Tage nehmen wir uns heute allerdings eine kurze politische Auszeit, um einer Besprechung des Oscar-Wilde-Stücks ‚Bunbury’, immerhin aus dem Zentralorgan der KPD, der ‚Roten Fahne’ Raum zu geben. Der Rezensent zeigt sich vom Witz des Dichters, der gesellschaftlichen Satire wie auch von der schauspielerischen Leistung durchaus angetan. Lediglich der Wandel des im Jahr zuvor als politisch-expressionistische Bühne gegründeten, mittlerweile aber bereits populärer ausgerichteten westberliner Privattheaters ‚Die Tribüne’ wird kritisiert. So findet sich am Ende auch in der heutigen Zeitungsmeldung zumindest implizit ein politischer Kommentar. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 05.06.2020Größte Bedrohung: Die LinkenHeute lassen wir, am Vorabend der Reichstagswahl 1920, zum Abschluss unserer Vorwahlberichterstattung, ganz bewusst eine Stimme des rechten Lagers zu Wort kommen. In der konservativen Berliner Börsen-Zeitung vom 5. Juni 1920 bekommen wir einen Eindruck davon, wie hier durch das Schüren in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft tief sitzender Ängste Wahlkampf gemacht wurde. Als hätte es den Kapp-Lüttwitz-Putsch wenige Monate zuvor nicht gegeben, betont der Autor des Artikels wie groß die Gefahr des Niedergangs und schließlich der Auflösung Deutschlands durch linke militante Revolutionäre sei. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 04.06.2020In den Armen liegen sich beideAuch der Vorwärts ist am 4. Juni 1920, zwei Tage vor der Abstimmung über die Neuzusammensetzung des Reichstags, im Wahlkampfmodus und wirbt, selbstverständlich, um Stimmen für die SPD. Spezifisch adressiert werden in diesem Fall die Angestellten, die man vor einem Votum für eine der bürgerlichen Parteien warnt: Diese würde zwar Funktionäre von Angestelltenverbänden auf ihren Listen führen, sich aber keinesfalls politisch für die Rechte von Angestellten einsetzen. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 03.06.2020Am Kleist-GrabAm Morgen des 21. Novembers 1811 nahmen sich der Dichter Heinrich von Kleist und seine Bekannte Henriette Vogel am Kleinen Wannsee nahe Berlin das Leben. In der Herberge “Zum Stimming” schrieben sie die Nacht hindurch Abschiedsbriefe, um sich anschließend auf einem kleinen Hügel mit Ausblick auf den See zu erschießen. War der Dichter verarmt und vielfach verkannt aus dem Leben geschieden, so hatte sich der Ort des Doppel-Selbstmordes, mit seinem schlichten Gedenkstein, 1920 schon längst zum Wallfahrtsort für Kleist-Fans entwickelt. Am 3. Juni pilgert auch der Autor Erdmann Gräser an den kleinen Wannsee und berichtet in der Vossischen Zeitung von seinen Eindrücken. Gelesen von Paula Leu.