Der alte Thomaskantor Johann Sebastian Bach wurde ja, so sagt man, nach seinem Tod bald vergessen, bis Felix Mendelssohn ihn dieser Vergessenheit entriss. Halt, das stimmt nicht so ganz: In Leipzig wurden die dort aufbewahrten sechs Motetten Bachs regelmäßig aufgeführt - auch Mozart hat eine davon bei seinem Besuch in Leipzig 1789 live gehört.
Paul Bartholomäi stellt drei dieser sechs Motetten genauer vor, die Bach äußerst individuell gestaltet, also keineswegs nur nach dem uralten Motetten-Prinzip einer Vertonung Zeile für Zeile. Mit kompositorischer Fantasie überspielt er den teilweise trockenen, "unmusikalischen" Text, lässt sich auch von ihm eigentlich fremden pietistischen Zügen der Vorlage nicht abschrecken und entfaltet geradezu architektonische Baupläne.
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Klassische Musik – noch Fragen? Paul Bartholomäi gibt ganz persönliche Antworten: In jedem Podcast entschlüsselt er ein anderes Werk, lässt Zusammenhänge hörbar werden, führt in die Welt der Komponisten. Weitere Folgen gibt’s hier ab dem 23. September.
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Folge vom 10.04.2025Notenschlüssel - Bach: Drei Motetten
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Folge vom 31.03.2025Notenschlüssel - Johannes Brahms: Deutsche Volkslieder"Deutsche Volkslieder" von Johannes Brahms, da denkt man leicht an die Sammlung von Volksliedbearbeitungen, die der alternde Komponist als eine seiner letzten Arbeiten veröffentlichte. Paul Bartholomäi lässt diese Sammlung beiseite und stellt eine erheblich kompliziertere Frage: Wie wirkt sich die Brahmssche Volksliedbegeisterung auf seine größeren und anspruchsvolleren Formen aus? Dass der Weg von einer "Volkslied-Bearbeitung" für Solostimme und Klavier zu einem Kunstlied nicht weit ist und der Abstand nicht allzu groß, erkennt das lauschende Ohr bald. Aber wie ist es mit der Chormusik, der Kammermusik, der Klaviermusik, der Sinfonik? Der "Notenschlüssel" begibt sich auf eine spannende Suche nach Volksliedspuren im Schaffen von Brahms.
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Folge vom 11.03.2025Notenschlüssel - Chopin: Etüden op. 10 und op. 25"Wer diese Etüden spielen kann, der kann alles spielen", so geht die Rede in Musikerkreisen, und dem dürfte wohl auch so sein. Aber steigen wir hier in den Übungskeller des Pianistenheims hinab, wo angehende Virtuosen stundenlang Etüden trainieren? Sicher, aber wir gehen auch in den Konzertsaal, denn Chopins Etüden sind mehr als ein Kompendium halsbrecherischer Schwierigkeiten - sie sind Musik. Paul Bartholomäi führt durch die beiden Hefte der Chopin-Etüden, erläutert die technischen Schwierigkeiten einiger Etüden und macht sich Gedanken über Absicht und Adressaten der beiden Sammlungen. Und natürlich muss auch die Frage gestreift werden: Wie spielte Chopin selbst Klavier? Schließlich galt er als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Zeit, obwohl er gerade einmal dreißig öffentliche Konzerte in seinem ganzen Leben gegeben hat.
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Folge vom 26.02.2025Notenschlüssel - Prokofjew: Klassische SinfonieEine "klassische Sinfonie" - oder wie sie gern vornehm französisch genannt wird - "Symphonie classique" von einem Komponisten im frühen 20. Jahrhundert? Ist da jemand hoffnungslos anachronistisch? Oder spielt er ironisch zurückblickend mit der Tradition? Sergej Prokofjew schrieb seine 1. Sinfonie während der russischen Revolution - er sollte Jahrzehnte später am selben Tag und an derselben Krankheit wie der sowjetische Diktator Josef Stalin sterben. Der wie ein Chamäleon schillernde Komponist und seine explizit an Haydn orientierte 1. Sinfonie sind ein klassischer Fall für den "Notenschlüssel". Paul Bartholomäi bringt Licht in die Rätsel des Werks und des Komponisten. Wie "neo" und wie "klassizistisch" ist eigentlich die "neoklassizistische Musik"? (Wdh. vom 21.11.2007.)