Eine Kiste voll mit Fotos, Briefen, Notizen und Kassetten war der Ausgangspunkt für Helene Bukowski ihren neuen Roman zu schreiben. „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ erzählt die Geschichte der jungen Pianistin Christina, die als Wunderkind erst an der Spezialschule für Musik in Ost-Berlin und dann am Konservatorium in Moskau ausgebildet wird. Aber mit nur 24 Jahren nimmt sie sich das Leben. Wer war die junge Frau? Und wie nähert man sich der Biografie einer Fremden? Wie kann und darf man sie erzählen?
Dafür hat Helene Bukowski eine ganz eigene Form gefunden und ist damit für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Nadine trifft sich mit ihr in den Räumen der ehemaligen Spezialschule für Musik in Berlin Mitte, wo heute am "Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach" immer noch Talente gefördert werden.
Das Buch
Helene Bukowski: "Wer möchte nicht im Leben bleiben", Claassen, 384 Seiten, 24,00 Euro
Die Autorin
Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin und dort auch aufgewachsen, hat in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert und bisher drei Romane veröffentlicht: "Milchzähne" (2019) war für viele Preise nominiert und wurde verfilmt. 2022 folgte "Die Kriegerin". Und nun "Wer möchte nicht im Leben bleiben".
Die Bücher über die Nadine und Helene sonst noch sprechen.
Helene empfiehlt:
Ines Geipel: "Das Heft", Transit Verlag, 1999, nur noch antiquarisch/ gebraucht/ in Bibliotheken.
Nadine empfiehlt:
Ulli Lust: "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen", Reprodukt, 304 Seiten, 29,00 Euro
Der Ort
Das Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach, ehemalige Spezialschule für Musik der DDR
Kultur & Gesellschaft
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Der Bücherpodcast vom rbb. Ein Buch, ein Ort, eine Begegnung: Wir sprechen mit Autorinnen und Autoren über ganz persönliche Themen, ihre aktuellen Bücher, das Schreiben und die kreative Arbeit. Unsere Hosts Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn und Stephan Ozsváth verabreden sich an Orten, die wichtig sind als Schauplatz oder zur Inspiration, mit dem Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg. Alle Tipps, Empfehlungen und Orte findet Ihr in den Beschreibungen und Shownotes der Podcast Folgen.
Folgen von Orte und Worte
99 Folgen
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Folge vom 05.03.2026Mit Helene Bukowski in der ehemaligen DDR-Spezialschule für Musik in Berlin Mitte
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Folge vom 26.02.2026Mit Vernesa Berbo bei Wein und Gesang in der Galerie Subject-ObjectEs sind zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Dijana und Dada. Die eine ist burschikos, geht an die Front, der Vater nennt sie “Sohn”. Die andere: Hypersensibel, Tabletten- und Alkoholsüchtig, vergewaltigt von UN-Soldaten. Vernesa Berbo beschreibt die Belagerung von Sarajevo aus der Perspektive der Frauen. Das unterscheidet dieses Debut von vielen anderen Büchern zum Thema. Sie verblendet das Trauma einer jungen Bosnierin mit der Kriegserfahrung einer deutschen Seniorin, die sie in Berlin kennenlernt. Ein Abend mit gemeinsamem Singen und Reden über Kriege, Theaterspielen in einer belagerten Stadt, die Kraft der Kultur, die Musik der Roma, wie Schreiben hilft, nicht verrückt zu werden und den Traum von Jugoslawien. Das Buch Vernesa Berbo: Der Sohn und das Schneeflöckchen, Frankfurter Verlagsanstalt, 26 Euro, 448 Seiten. Stephan Ozsváth empfiehlt Ena Katerina Haler: Die Schuldlosen. Folio Verlag.256 Seiten. 25 Euro. Vernesa Berbo empfiehlt Marica Bodrozic: Das Herzflorett, Luchterhand Verlag, 288 Seiten, 24 Euro Sasa Stanisic: Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird, Luchterhand, 160 Seiten, 22 Euro. Der Ort Galerie Subject Object, Berlin Schöneberg Die Autorin Vernesa Berbo ist in Priboj geboren, in Sarajevo hat sie Schauspiel studiert. Während der Belagerung der bosnischen Hauptstadt hat sie die “Hexe” in einem Unicef-Theater verkörpert, das Kinder mit Entspannung und Lunchpaketen versorgte. Sie ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Musikerin. Mit den “Balkan Boys” tourt sie. Am liebsten ist sie Mutter, sagt sie. 1994 kam sie als Kriegsflüchtling nach Berlin. “Der Sohn und das Schneeflöckchen” ist ihr erster Roman.
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Folge vom 19.02.2026Mit Peggy Mädler im Rechenzentrum Potsdam"Selbstregulierung des Herzens" heißt der neue Roman von Peggy Mädler. Noch ein letztes Mal, so sagt die Schriftstellerin, wollte sie zurückblicken auf die DDR und die Wendezeit. Sie erzählt vier Jahrzehnte im Leben einiger Freunde und Pärchen. Die einen träumen von Wirtschaftsreformen und intelligenten Rechenmaschinen, die anderen von Kunst ohne staatliche Kontrolle. Es geht um Rückzugsräume und Datschenträume, um Kybernetik, selbst lernende Systeme, die Liebe, Kunst und den Alltag zwischen Selbstregulierung und Staatsüberwachung. Peggy und Nadine reden im ehemaligen Rechenzentrum Potsdam über die Entstehung des Romans, Peggys Datsche, den Zusammenhang von Kybernetik und Politik, und über den Blick auf Ostdeutschland heute. Das Buch Peggy Mädler: "Selbstregulierung des Herzens", Galiani Berlin, 304 Seiten, 23 Euro Nadine empfiehlt Christoph Hein: "Das Narrenschiff", 751 Seiten, Suhrkamp Peggy empfiehlt Jina Khayyer: "Im Herzen der Katze", Suhrkamp, 253 Seiten, 25 Euro Heike Geißler: "Verzweiflungen", Essay, Edition Suhrkamp, 221 Seiten, 18 Euro Der Ort Rechenzentrum Potsdam mit dem Mosaik-Wandbild von Fritz Eisel Die Autorin Peggy Mädler wurde 1976 in Dresden geboren und lebt als Theater-Dramaturgin und freie Autorin in Berlin. Sie arbeitet bundesweit mit verschiedenen Performancegruppen, Theatern und Regisseur*innen zusammen. Für ihren Roman "Wohnin wir gehen" (2019) erhielt sie den Fontane-Literaturpreis der Fontanestadt Neuruppin und des Landes Brandenburg. 2024 erschien "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" mit Annett Gröschner und Wenke Seemann.
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Folge vom 12.02.2026Eine Zeitreise in Berlin-Schöneberg mit Michael WildenhainWestberlin im Jahr 1969: Kriegsruinen und eine traumatisierte Elterngeneration, politische Umbrüche und die oft harten Gesetze der Straße. In seinem neuen Roman „Das Ende vom Lied“ erzählt der Berliner Schriftsteller Michael Wildenhain von einem Jungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, der sich buchstäblich durchboxen muss – und die erste Liebe erlebt. Anne-Dore trifft Michael Wildenhain am Heinrich-Lassen-Park in Berlin-Schöneberg, wo der Roman spielt. Gemeinsam laufen sie die Schauplätze ab, u.a. geht es zum Friedhof und zum alten Straßenbahndepot. Ein literarischer Winterspaziergang, der streckenweise zur Zeitreise in die 60er Jahre wird. Das Buch Michael Wildenhain „Das Ende vom Lied“, Klett-Cotta-Verlag, 416 Seiten, 26 Euro. Der Autor Michael Wildenhain, 1958 in Berlin geboren, hat zahlreiche Romane, Erzählungen, Gedichte und Jugendbücher geschrieben, u.a. "Die kalte Haut der Stadt", "Russisch Brot", "Das Singen der Sirenen" oder "Die Erfindung der Null". Er war u.a. für den Deutschen Buchpreis nominiert und Stipendiat der Villa Massimo. Podcast-Tipp: Bei "Die großen Fragen in 10 Minuten" von MDR Wissen gibt es aktuell Sonderfolgen zur Artemis II Mission zum Mond: https://1.ard.de/DGF_Artemis