Die "Frau, Leben, Freiheit"-Proteste sind noch gut im Gedächtnis. 2022 gingen nach dem Tod der Studentin Jina Mahsa Amini Hunderttausende auf die Straße. Die Reaktion des islamischen Mullah-Regimes war brutal und blutig. Nila, eine Autorin aus Teheran, die zu ihrem Schutz anonym bleiben muss, war damals dabei. Ihr Buch "Auf den Straßen Teherans" erzählt davon. Vor dem Hintergrund der neuesten Proteste im Iran, und ihrer grausamen Niederschlagung ist die Lektüre bedrückend aktuell.
Nadine hat sich mit Nilas Berliner Übersetzerin Asal Dardan getroffen, die in Teheran geboren wurde und in Deutschland und Schottland aufgewachsen ist. Im Gespräch erzählt sie, wie es ist, hier im sicheren Deutschland für jemanden zu sprechen, der permanent in Lebensgefahr ist, wie die Übersetzung zustande kam und warum Nilas Buch viel mehr ist als ein bloßer Bericht über eine Protestbewegung.
Für das Gespräch hat Asal das Rathaus Schöneberg ausgesucht, wo 1967 ein Teil der Studentenproteste gegen den persischen Schah stattfanden.
Das Buch
Nila: "Auf den Straßen Teherans"
Übersetzt aus dem Englischen von Asal Dardan, mit einem Vorwort von Natalie Amiri, Pfaueninsel Verlag, 144 Seiten.
Nadine empfiehlt
Ece Temelkuran: "Nation of Strangers. Unsere Heimat sind wir"
Asal Dardan empfiehlt
Naomi Klein: "Doppelgänger. Eine Analyse unserer gestörten Gegenwart"
Übersetzt von Peter Robert und Rita Seuß, S. Fischer, 496 Seiten
Maryam Aras: "Dinosaurierkind", Claassen, 192 Seiten
Der Ort
Das Rathaus Schöneberg, Berlin
Der Gast
Asal Dardan ist Autorin und Übersetzerin. Sie wurde 1978 in Teheran geboren und ist in Köln, Bonn und Aberdeen aufgewachsen. Sie lebt abwechselnd in Berlin und Schweden. Ihr Essayband "Betrachtungen einer Barbarin" (2021) war für den Deutschen Sachbuchpreis den Clemens-Brentano-Preis nominiert. Zuletzt erschien "Traumaland. Eine Spurensuche in Deutscher Vergangenheit und Gegenwart" (2025). Sie übersetzt Literatur aus dem Englischen ins Deutsche, u.a. von Chimamanda Ngozi Adichie.
Kultur & Gesellschaft
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Der Bücherpodcast vom rbb. Ein Buch, ein Ort, eine Begegnung: Wir sprechen mit Autorinnen und Autoren über ganz persönliche Themen, ihre aktuellen Bücher, das Schreiben und die kreative Arbeit. Unsere Hosts Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn und Stephan Ozsváth verabreden sich an Orten, die wichtig sind als Schauplatz oder zur Inspiration, mit dem Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg. Alle Tipps, Empfehlungen und Orte findet Ihr in den Beschreibungen und Shownotes der Podcast Folgen.
Folgen von Orte und Worte
99 Folgen
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Folge vom 05.02.2026Mit Asal Dardan im Rathaus Schöneberg
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Folge vom 29.01.2026Mit Ursula März am Viktoria-Luise-PlatzEine junge Frau fährt mitten im Winter auf die Vulkaninsel Stromboli und landet in einer seltsamen Reisegemeinschaft mit einer englischen Familie. Und ein Mädchen wünscht sich für den ersten Schultag sehnlichst einen Nylonpullover, doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Ursula März, Autorin des Bestsellers "Tante Martl", verknüpft in "Mein gelber Pullover" eine Winterreise im Jahr 1989 und eine Kindheit in Mittelfranken in den 60er Jahren. Wie wird man, wer man ist? Wie stellt man sich in die Welt? Und wie formt einen eine traumatisierte Elterngeneration? Anne-Dore und Ursula März treffen sich in einem Café am Viktoria-Luise-Platz in Berlin Schöneberg, wo die Kritikerin und Autorin oft an ihren Texten arbeitet und sprechen u.a. über die Vor- und Nachteile von Rauchwolken, die Bundesrepublik der 60er Jahre und die Anziehungskraft von Anführerinnen. Der Ort Viktoria-Luise-Platz in Berlin Schöneberg Das Buch Ursula März: "Mein gelber Pullover", Piper Verlag, 176 Seiten, 22 Euro. Die Autorin Ursula März ist Journalistin, Literaturkritikerin und Autorin. Ihre Artikel, Rezensionen und Gerichtsreportagen erscheinen u.a. in der Zeit und bei Deutschlandfunk Kultur. Ihr erster Roman "Tante Martl" (2019) wurde ein Bestseller.
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Folge vom 22.01.2026Mit Magdalena Schrefel in der Akademie der KünsteWie soll man einen Roman über ein so komplexes Thema wie den Klimawandel schreiben? Diese Frage hat sich die Dramatikerin und Hörspielautorin Magdalena Schrefel gestellt. Sie hat sich dazu entschieden, in ihrem Debütroman "Das Blaue vom Himmel" nur einen ganz kleinen Ausschnitt zu beleuchten. Durch eine Geoengineering-Maßnahme soll die Erde heruntergekühlt werden. Der Preis dafür: Der Himmel wird in Zukunft nie wieder blau sein. Was bedeutet das für die Menschen? Magdalena Schrefel verzahnt in ihrer Geschichte die Entstehung einer Kunstausstellung, die Klimakrise und eine Familiengeschichte miteinander. Wie sie auf diese ungewöhnliche Idee kam, ob ihr Roman Climate Fiction ist, und warum sie beim Schreiben eher aufs Finden als aufs Suchen setzt, hat Magdalena Schrefel mit Nadine in der Akademie der Künste besprochen. Die Autorin: Magdalena Schrefel schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen. Zuletzt den Band "Brauchbare Menschen" (2022). Für ihre Arbeiten wurde sie schon mehrfach ausgezeichnet. Sie wurde 1984 geboren und ist in Wien aufgewachsen. Dort hat sie Europäische Ethnologie studiert und in Leipzig Literarisches Schreiben. "Das Blaue vom Himmel" (2026) ist ihr erster Roman. Das Buch Magdalena Schrefel: "Das Blaue vom Himmel", Suhrkamp, 268 Seiten. Nadine empfiehlt Marion Poschmann: "Die Winterschwimmerin. Verslegende", Suhrkamp, 80 Seiten. Magdalena Schrefel empfiehlt Dorothee Elmiger: "Die Holländerinnen", Hanser Verlag, 160 Seiten. Und für die, die mehr über die Geschichte der Wettervorhersagen und Geoengineering wissen möchten: Holly Jean Buck: "After Geoengineering. Climate Tragedy, Repair, and Restoration", Verso Books. Peter Moore: "Das Wetter-Experiment. Von Himmelsbeobachtern und den Pionieren der Meteorologie", aus dem Englischen von Michael Hein, Mare Verlag, 560 Seiten. Der Ort Die Akademie der Künste im Hanseatenweg in Berlin Tiergarten.
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Folge vom 15.01.2026Mit Sarah Kuratle im Botanischen Garten WienIm Zentrum des Romans ist eine Insel. Dort gibt es hängende Gärten und botanische Zeichnungen. So versucht eine Gemeinschaft von Lehrern und Schülern die Artenvielfalt zu retten. Um sie herum sind die Elemente außer Rand und Band: Feuer, Überschwemmungen, vom Menschen gemachte Umweltverschmutzung setzen dem Planeten zu. Und auch die Inselbewohner tragen ihr persönliches Päckchen mit sich herum. Sarah Kuratles Roman wurde das Label "Climate Fiction" aufgeklebt. Stephan Ozsváth hat sie inmitten von Pflanzen und Lieblingstieren im Wiener Botanischen Garten getroffen und mit ihr über Literatur, Sprachspiele, Inspiration durch Malerei und ihr Lesepublikum gesprochen. Das Buch von Sarah Kuratle, über das wir im Podcast reden Sarah Kuratle: "Chimäre", Otto-Müller-Verlag, 23 Euro, 160 Seiten. Stephan Ozsváth empfiehlt José Lezama Lima: "Paradiso", Suhrkamp Taschenbuch. 648 Seiten. Antiquarisch. Marie-Luise Kaschnitz: "Der alte Garten", Suhrkamp Taschenbuch, Antiquarisch Maria Bidian: "Das Pfauengemälde", Zsolnay, 320 Seiten, 24 Euro. Sarah Kuratle empfiehlt Andreas Unterweger: "Das gelbe Buch", Literaturverlag Droschl, 240 Seiten. 20 Euro Leta Semadeni: "Amur, großer Fluss", Atlantis Literatur, 192 Seiten, 26 Euro Der Ort Botanischer Garten Wien Die Autorin Sarah Kuratle ist 1989 in Bad Ischl geboren. Sie wuchs diesseits und jenseits der Schweizer Grenze auf. Sie studierte in Graz Germanistik und Philosophie, arbeitet heute in einer Bibliothek in Dornbirn (Vorarlberg), wo sie auch mit ihrer Familie lebt. Ihre Lyrik und Prosa wurden vielfach ausgezeichnet. Mit ihrem Romandebüt "Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren" stand sie auf der Shortlist für den Literaturpreis Text & Sprache 2022. "Chimäre" ist ihr zweiter Roman. Er stand monatelang auf der ORF-Bestenliste. Sie habe das "Nature Writing" neu erfunden, schrieb die NZZ über "Chimäre".