NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 30.06.2021Ganz Berlin trägt DirndlDie landläufige Vorstellung, wonach es sich beim Dirndl um eine jahrhundertealte bäuerliche Volkstracht von der oberbayerischen oder tirolerischen Alm handele, hat ihre Heimat im Reich der bajuwarischen Mythen. Buchstäblich erfunden wurde es erst spät im 19. Jahrhundert, und zwar als durchweg städtische Modeerscheinung für ein bürgerliches Publikum, das sich bei seinen Ausflügen in die Sommerfrische an Chiemsee oder Tegernsee gerne etwas lässig-ländlich gewanden wollte. Als vergleichsweise schlichte und deshalb kostengünstigere Alternative zu aufwendigen herkömmlichen Sommerkleidern eroberte es nach dem Ersten Weltkrieg schließlich zunehmend auch die heimischen urbanen Laufstege, und das keineswegs nur in München oder Augsburg. Unser heutiger Bericht aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 30. Juni 1921 dokumentiert vielmehr eindrücklich, dass der Dirndl-Hype vor einhundert Jahren längst den Weißwurst-Äquator überschritten und selbst die preußische Kapitale Berlin in seinen Bann geschlagen hatte. Für uns liest, nein, nicht Rainer Brüderle, sondern Frank Riede.
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Folge vom 29.06.2021Sorge vor dem Klimawandel?Uns hat - hoffentlich - die Klimaforschung mittlerweile davon überzeugt, dass auch kleinere Veränderungen im klimatischen Weltsystem zu Kippmomenten führen können, die irreversible und wohl drastische Veränderungen der Verhältnisse auf unserem Planeten herbeiführen können. Bei der Erderwärmung wird gesellschaftlich und politisch das Ziel gesetzt, ein Ansteigen der Durchschnittstemperatur um 2 Grad zu verhindern, als Versuch, die verheerendsten Kipppunkte zu vermeiden. Vor 100 Jahren gab es Wissenschaftler, die sich mit der Furcht vor einer neuen Eiszeit, mit der potentiellen Vergletscherung Europas beschäftigten und etwaige Verläufe modellierten. Und auch hier spielten 2 Grad eine große Rolle – nur als Erdabkühlung. Der Vorwärts berichtet am 29. Juni von der Wahrscheinlichkeit einer neuen Eiszeit. Paula Leu zittert mit.
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Folge vom 28.06.2021Zum 600. Todestag: Carl von Ossietzky über DanteDante Alighieri, der Schöpfer der Divina Commedia, der Göttlichen Komödie, gilt gleichermaßen als so etwas wie der Begründer der italienischen Literatur wie als deren wichtigster Exponent – heute wie vor einhundert Jahren. Und ähnlich groß wie man dieser Tage seinen siebenhundertsten Todestag begeht, tat man das 1921 entsprechend auch schon mit seinem sechshundertsten. Kein geringerer als Carl von Ossietzky war es, der in der Berliner Volks-Zeitung vom 28. Juni zur Feder griff, um den Jubilar zu würdigen und die Paradoxie zu preisen, dass mit Dante der katholischste aller Weltliteraten zugleich auch der erste moderne sei. Auf dieser Bahn der Argumentation folgt ihm, durch Hölle, Fegefeuer und Paradies, für uns Frank Riede.
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Folge vom 27.06.2021Die okkultistische WelleDie 1920er sind zweifelsohne eine Zeit, in der okkulte Seancen, Wunderheilungen, Geisterbeschwörungen, Astrologie, Mesmerismus, Magnetheilungen, Hellseherei und Handlesen eine Hochzeit erlebt haben. Am 27. Jun 1921 reflektiert Kurt Biging in der Berliner Volks-Zeitung über die Ursachen dieses gesteigerten Interesses an übernatürlichen Phänomenen. Er denkt aber auch darüber nach, wie sich die etablierten Wissenschaften dazu positionieren sollten. Wäre weniger Hochmut angemessen? Es liest Paula Leu.