NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 22.06.2021Grubenunglück in der Zeche Mont CenisZeche Mont Cenis in Herne, heute Energiepark und Fortbildungsakademie des Landes Nordrhein-Westfalen, war zwischen 1871 und 1978 ein Steinkohle-Bewegwerk benannt nach der (bei Gründung) beeindruckenden Ingenieurs-Meisterleistung des 13 Kilometer langen Tunnels durch das Mont-Cenis Massiv der französischen Alpen. Dass die für das Ruhrgebiet so prägende Tätigkeit des Bergarbeiters, des „Kumpel“ nicht nur körperlich fordernd und gesundheitsschädlich war, sondern unter Tage auch tödliche Gefahren lauerten, davon zeugt auch die Geschichte der Zeche Mont Cenis. Wenn sich ein spezifisches Mischverhältnis von Methangas und Sauerstoff in den Stollen ansammelt und auf eine Zündquelle von mindestens 650 Grad Celsius trifft, kommt es zu sogenannten Schlagwetterexplosionen, die sich in den beengten Stollen mit enormer Wucht ausbreiten. Ein solches Unglück ereignete sich in der Zeche am 20 Juni 1921, als sehr fahrlässig mit Dynamit unter Tage gesprengt wurde. Am 22. Juni berichtet der Vorwärts und sucht nach den Ursachen. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 21.06.2021Sonntagsausflüge in der ganz alten ZeitGeschichte reimt sich bekanntlich häufig doch: So wie wir mit unserem Podcast täglich in die Welt vor einhundert Jahren eintauchen, blickten auch schon unsere Quellen, die damaligen Tageszeitungen, dann und wann in die stadtgeschichtliche Vergangenheit und förderten Erkenntnisse zutage, die bereits ihren Leserinnen und Lesern fern und fremd anmuten mussten. So geschehen einmal mehr am 21. Juni 1921, an dem sich die Deutsche Allgemeine Zeitung nicht, wie erst kürzlich beim Freischütz-Jubiläum die Vossische, einhundert, sondern diesmal gleich zweihundert, also für uns sogar dreihundert Jahre tief in die Historie begab und uns eine Anschauung davon vermittelt, wie Berliner Sonntagsausflüge in der ganz alten Zeit aussahen. Für uns mit von der Landpartie ist Paula Leu.
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Folge vom 20.06.2021Wer wacht am Kyffhäuser?Der Kyffhäuser ist in den vergangenen Jahren zurückgekehrt auf die politische Landkarte Deutschlands. Alljährlich trifft sich zu seinen Füßen im Spätsommer der vormalige ‘Flügel‘ der AfD und beschwört zur vorgeblichen Rettung der Nation die Gespenster der Vergangenheit. Dabei ist die rechte Instrumentalisierung der Kyffhäusersage, also der Vorstellung vom im Berg schlummernden Kaiser Friedrich Barbarossa, welcher dereinst zurückkehren und sein Reich wieder in Ordnung bringen würde, durchaus nicht neu. Bereits Wilhelm I. huldigte man hier in aller Monumentalität, während in Weimarer Tagen das Warten auf den Erlöser vor der bösen modernen Gegenwart von neuem begann und ein buntes Panoptikum alt-monarchistischer und neu-völkischer Republikfeinde anzog – zu besichtigen in der Vossischen Zeitung vom 20. Juni 1921, deren Korrespondent (über gewisses zeittypisch rassistisches Vokabular hinaus) dem Treiben von Hindenburg und Co. angesichts der sonstigen Blattlinie überraschend unkritisch zusieht. Wer zwölf Jahre später an Barbarossas statt den Ruf der Kyffhäuser-Pilger erhörte, ist allgemein bekannt. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 19.06.2021Stummfilm ohne ZwischentitelMit dem Verschwinden des Filmerklärers, der die bewegten Bilder kommentierte, Figuren sprach, Geräusche beisteuerte, etablierten sich im Stummfilm die Zwischentitel, auf denen man etwa das gesprochene Wort der Filmfiguren, deren Mundbewegungen man auf der Leinwand sah, lesen konnte. Doch manche Filmkünstler und -kritiker empfanden diese Unterbrechungen des Bildflusses als Defizit und imaginierten einen titellosen Stummfilm. Diese Bestrebung ist besonders mit dem Drehbuchautor Carl Mayer verbunden, der in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau 1924 das Meisterwerk Der letzte Mann mit nur einem einzigen (und dabei ironisch eingesetzten) Zwischentitel schuf. Als wohl erster abendfüllender Film dieser Art gilt Scherben, der aus der Zusammenarbeit von Mayer mit dem Regisseur Lupu Pick hervorgegangen war, und am 27. Mai 1921 in Berlin Premiere feierte. In der Berliner Börsen-Zeitung vom 19. Juni reflektiert Albin Roßlau über den Weg der Filmkunst hin zum „Zwischentitellosen Film“. Für uns zwar nicht sichtbar, aber gut hörbar liest Paula Leu.