Über Jahrzehnte hinweg haben die Deutschen die Ukraine weitestgehend "durch die Brille Moskaus gesehen", so der Vorwurf des Historikers Martin Schulze Wessel von der Universität München. "Die übersehene Nation. Deutschland und die Ukraine seit dem 19. Jahrhundert", lautet der Titel seines jüngsten Buches, erschienen bei C.H. Beck. Darin kritisiert Martin Schulze Wessel, dass Deutschland einseitig auf das Verhältnis zu Russland und vor 1991 zur Sowjetunion fixiert gewesen sei und folglich die Ukraine als Nation mit eigener Sprache und Kultur kaum wahrgenommen habe. Und das, obwohl die Deutschen aus der historischen Verantwortung heraus allen Grund hätten, der Ukraine mit Empathie zu begegnen. Stattdessen habe sich die deutsche Politik in den vergangenen Jahrzehnten dem Land gegenüber schwere Versäumnisse und Fehler geleistet. Kein schmeichelhaftes Urteil. Darüber hat Geschichtsredakteur Stefan Nölke mit Martin Schulze Wessel gesprochen. Das Gespräch ist bis zum 21. Februar 2027 verfügbar.
Kultur & GesellschaftTalk
MDR KULTUR Diskurs Folgen
Woche für Woche nimmt sich der DISKURS Zeit, über Fragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu nachzudenken. Mit Experten ihres jeweiligen Fachs spricht MDR KULTUR über die aktuellen Tendenzen in Geschichte und Gesellschaft, Philosophie und Religion, Kulturgeschichte, Naturwissenschaften und Lebenshilfe. Und steht damit für die kritische Reflexion der Gegenwart sowie geistige Konzentration und Orientierungen über den Augenblick hinaus.
Folgen von MDR KULTUR Diskurs
41 Folgen
-
Folge vom 21.02.2026Die Ukraine – Eine übersehene Nation?
-
Folge vom 14.02.2026Erzählte Welt: Literaturgeschichte der GegenwartLiteratur reagiert auf gesellschaftliche Entwicklungen, auf Stimmungen und Trends, erzählt mal realistisch, mal phantastisch von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Andererseits reagieren wiederum Leserinnen und Leser, aber auch Kritikerinnen und Kritiker mit Begeisterung oder auch mit Ablehnung auf literarische Texte und machen sie zum Teil eines gesellschaftlichen Diskurses. So entsteht eine interessante Wechselwirkung zwischen Realität und Fiktion, zwischen Erleben und Erzählen. Nun hat der Literaturwissenschaftler Steffen Martus ein Buch geschrieben, das genau diese Wechselwirkung untersucht. Es heißt "Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart 1989 bis heute". Bettina Baltschev ist für MDR KULTUR im Gespräch mit dem Autor.Verfügbar bis 14. Februar 2027
-
Folge vom 31.01.2026Crazy Rich: Erkundungen in der Welt der SuperreichenJulia Friedrichs ist vielfach prämierte Reporterin, Buchautorin und Filmemacherin. In ihrem Buch "Crazy Rich – Die geheime Welt der Superreichen" beschäftigt sie sich nicht zum ersten Mal mit der Schicht in unserer Gesellschaft, die einerseits am wenigsten erforscht ist und andererseits auch selbst gern diskret auftritt: Hochvermögende. Dabei lässt sie Leserinnen und Leser teilhaben an ihren mal mehr mal weniger erfolgreichen Bemühungen, diese Menschen für Gespräche zu gewinnen, um zu erfahren wie sie leben und was sie denken – nicht zuletzt über die zuletzt wieder lauter werdende Forderung, große Vermögen und Erbschaften zu besteuern.Das Gespräch mit Julia Friedrichs führt Annette Militz.Verfügbar bis 14. Dezember 2026
-
Folge vom 24.01.2026Róža Domašcyna: "Ich bin neugierig"Seit ihrer Kindheit bewegt sich Róža Domašcyna in zwei Sprachen: dem Sorbischen und dem Deutschen. Sie wurde 1951 in Zerna, zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda, in einer sorbischen Familie geboren. Aber man sollte sie deswegen nicht als 'sorbische Dichterin' bezeichnen. Denn seit Kindertagen übt sie das Miteinander der Kulturen – und dabei Dinge in den Blick zu nehmen, die nicht nur neben- sondern miteinander existieren. Auch in ihrer Widersprüchlichkeit. Reiche Erfahrungen also, die sich auch in Róža Domašcynas sehr besonderen, sehr eigenen lyrischen Sprache niederschlagen. Jetzt erscheint in der 'Sorbischen Bibliothek' des in Bautzen ansässigen Domowina Verlages ein Gedichtband von ihr, der 111 Gedichte präsentiert. Im Gespräch mit MDR KULTUR Redakteurin Katrin Wenzel erzählt Róža Domašcyna, welcher Name in ihrem Ausweis steht, wie in ihrer Kindheit gesprochen wurde. Und welche Inspiration ihr aus der Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen wie Gerda Lepke oder Angela Hampel zuwächst.Verfügbar bis 23. Januar 2027