Am 20.12. jährt sich der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Sechs Menschen starben, über 300 wurden verletzt. Als Sprecher des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit Halle -Jena - Magdeburg konnte Prof. Martin Walter damals sehr schnell erste Antworten zum Umgang in Ausnahmesituationen den Betroffenen zur Hand geben und an einem eng vernetzten stufenweisen organisierten Netzwerk aus Fachleuten für erst später sichtbare werdende Trauma mitwirken. Er ist Psychiater und Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Jena und nahm zudem Kontakt zu den Kollegen seines Fachs auf, die 2016 die Menschen nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche Erstversorgten.Die Landeshauptstadt Magdeburg hat für den 20.12.2025 gemeinsam mit Kirchen und Religionen, mit Vereinen und Initiativen einen Gedenktag vorbereitet, um an jene Menschen zu erinnern, die ihr Leben verloren oder körperlich und psychisch verletzt wurden. Den Auftakt bildet um 11.00 Uhr ein öffentlicher Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Johanniskirche. Von 17.30 bis 18.30 Uhr ist die Gedenkstunde für Betroffene und Hinterbliebene, sowie geladene Gäste in der Johanniskirche.In Leipzig wurde Martin Walter 1978 geboren. Die Eltern reisten mit dem damals elfjährigen Sohn und seinem Bruder im Herbst 1989 in die Bundesrepublik Deutschland aus. Martin Walter wuchs in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz auf und mehre Jahre in einem kleinen Dorf in der Eifel. Von 1999 bis 2006 studierte er Humanmedizin und Philosophie in Magdeburg, Lyon, Kansas und Zürich. Längere klinische Auslandsaufenthalte führten ihn nach Bosnien-Herzegowina und Tansania. 2006 bis 2012 absolvierte Martin Walter die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dissertation und Habilitation in Magdeburg. 2012 bis 2020 wirkte er als Arbeitsgruppenleiter am Leibniz Institut für Neurobiologie in Magdeburg, von 2016 bis 2019 war er W3-Professor und Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie Tübingen und 2016 bis 2020 Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen. Seit 2019 ist Martin Walter Lehrstuhlinhaber und Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie Jena. Seit 2021 ist er außerdem Sprecher des Standortes Halle – Jena - Magdeburg des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit, seit 2023 Präsident des Ärzteverbandes LongCovid und seit 2024 Vize-Präsident, Deutsche Gesellschaft für Biologische Psychiatrie, Leiter der Therapiestudie zur Ketamin-augmentierten Psychotherapie bei Behandlungsresistenter Depression. 2011 bis 2014 nahm Martin Walter Gastprofessuren in New Jersey, USA an und von 2011 bis 2014 an der Chinese Academy of Science in Peking, China. Seit 2014 lehrt er am Tianjin Mental Health Institute in Tianjin, China. Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf
Kultur & GesellschaftTalk
MDR KULTUR trifft: Menschen von hier Folgen
Jede Woche stellen wir einen interessanten Menschen vor, der sich dem kulturellen Leben in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen besonders verpflichtet hat. Unsere Gäste geben Einblicke in ihr privates Leben und stellen ihre Arbeit vor.
Folgen von MDR KULTUR trifft: Menschen von hier
53 Folgen
-
Folge vom 20.12.2025MDR KULTUR trifft Martin Walter
-
Folge vom 13.12.2025MDR KULTUR trifft Manuel FreyAm 14. Dezember wird offiziell „TACHELES. Das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ mit einem Festakt in Chemnitz, im Staatlichen Museum für Archäologie smac, dem ehemaligen Kaufhaus der jüdischen Unternehmer Simon und Salman Schocken, eröffnet. Höhepunkt der Feier wird das Entzünden der ersten Kerze durch Landesrabbiner Zsolt Balla auf einem in erzgebirgischer Tradition in Seiffen gefertigten Chanukka-Leuchter sein. 100 Jahre nach Gründung des ersten sächsischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden soll 2026 ein Jahr lang mit 365 Projekten, Veranstaltungen und Ausstellungen auf die reichhaltige jüdische Geschichte und Kultur, sowie das jüdische Leben in Sachsen, deren Beitrag zu Vergangenheit und Gegenwart des Landes, aber auch deren Verluste sichtbar und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. An dem Programm TACHELES beteiligen sich die jüdische Gemeinschaft, Kultureinrichtungen, Vereine, Bildungsinstitutionen und Wissenschaftseinrichtungen, von lokalen Vereinen bis zur Staatsoper, von der Stadtführung bis zum Konzert im Leipziger Hauptbahnhof. TACHELES bezieht sich auf die jüdische Tradition der respektvollen und verantwortungsvollen Debatte, die Meinungsäußerung und offenen Diskurses auf Augenhöhe unterstreicht. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen begleitet das Themenjahr TACHELES bereits seit 2023 mit dem Förderprogramm „Jüdisches Leben in Kunst und Kultur“. Für das Jahr 2026 bewarben sich 120 Kulturakteure mit Veranstaltungsideen. 92 von ihnen erhielten jetzt die Förderzusage. Stiftungsdirektor Manuel Frey ist hoch erfreut über das große Engagement. Rund 1,2 Millionen Euro Fördergelder stehen zur Verfügung. In Bamberg wurde Manuel Frey 1964 geboren. Nach dem Studium der Geschichte und Soziologie in Marburg, Bielfeld und Berlin wurde er 1996 an der Universität Bielefeld promoviert. An der Technischen Universität Dresden habilitierte er sich mit einer Arbeit über „Sammler, Stifter und Mäzene in der Bürgergesellschaft“. Seit 2002 ist Manuel Frey im Dresdner Kulturbereich tätig, war drei Jahre Direktionsassistent am Deutschen Hygiene-Museum, ab 2005 in der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen als Literatur- und Kunstreferent tätig und seit 2008 als stellvertretender Stiftungsdirektor. 2019 wurde Manuel Frey zum Direktor der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ernannt. Zugleich wirkt er als Geschäftsführer des Sächsischen Kultursenats und seit 2022 als Honorarprofessor an der Philosophischen Fakultät der TU Dresden.Moderation: Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf
-
Folge vom 06.12.2025MDR Kultur trifft Jutta EmesDie Wirtschaftswissenschaftlerin und Kommunikationsforscherin überschrieb den neuen Abschnitt der 1765 gegründeten und damit ältesten montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt unter ihrer Leitung mit „Offenheit, Kooperation und Kommunikation“, einhergehend mit einer Kultur der Ermöglichung und der Verantwortung. „Lange Historie trifft auf Moderne“ und „Tradition auf Hightech“, formulierte Jutta Emes ausführend. Sie setzt auf Internationalisierung und Kooperationen, unterstreicht die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Universität, aber auch mit regionalen und überregionalen Partnerinstitutionen.Neugier und Zuversicht treiben Jutta Emes an, zudem die Faszination unserer Zeit, in der Künstliche Intelligenz alles revolutioniert. Mit ihr steht erstmals eine Frau an der Spitze der TU Bergakademie Freiberg. Diese hat 4300 Studierende, davon die Hälfte aus dem Ausland, und 2000 Mitarbeitende. Es ist die kleinste der vier staatlichen Universitäten in Sachsen, jedoch mit ihrem Standort einmal mehr mit großer Strahlkraft. Das Welterbekomitee der UNESCO hatte im Juli 2019 in Baku der „Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří“ den Welterbe-Status zugesprochen. Damit trägt die Silberstadt Freiberg als Bestandteil der Bergbaulandschaft Freiberg zusammen mit weiteren 21 Bestandteilen der Region den Welterbetitel.In Haselünne im Emsland wurde Jutta Emes 1969 geboren. Eine Großmutter stammt aus Meißen, ein Großvater aus Mecklenburg. Sie selbst wuchs in der Nähe von Heidelberg auf. Zum Studium der Wirtschaftswissenschaften zog es Jutta Emes 1990 bis 1994 an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Bis zur Promotion im Jahr 1998 war sie dort wissenschaftliche Mitarbeiterin und danach von 1998 bis 2004 Wissenschaftliche Assistentin. Die Habilitation erfolgte ebenfalls 2004 Julius-Maximilians-Universität Würzburg, mit Lehrberechtigung für das Fach Betriebswirtschaftslehre. Von 2000 bis 2008 war Jutta Emes Dozentin im Executive MBA-Studiengang Business Integration in Würzburg und nahm 2004 bis 2005 eine Vertretungsprofessur für Marketing an der Universität Kassel wahr. 2007 bis 2010 hatte sie eine Professur für Marketingmanagement an der Steinbeis University Berlin inne. In diesem Zeitraum zudem für ein Jahr eine Dozentur an der Universität Lichtenstein und von 2008 bis 2010 eine Vertretungsprofessur für Internationales Management an der Bundeswehr Universität München. Von 2010 bis 2025 war Jutta Emes an der Bauhaus-Universität Weimar Professorin für Marketing und Medien. 2014 bis 2022 nahm sie dort das Amt der Prorektorin/ Vizepräsidentin ein und von 2022 bis 2023 das der vorläufigen Leiterin. Moderation: Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf
-
Folge vom 29.11.2025MDR Kultur trifft Michael AndrickAm 04. Dezember jährt sich der 50. Todestag von Hannah Arendt. Sie gehört zu den bedeutenden Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. An deutschen Universitäten ausgebildet, aus Europa in die USA als Jüdin vertrieben, richtete sich ihr Bemühen auf Verstehen und Erkennen des miterlebten Jahrhunderts der Weltkriege, Totalitarismen, Verfolgungen und Revolutionen. Hannah Arendt`s emphatischer Begriff des Handelns wirkte weltweit inspirierend, so auch ihr Merksatz: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“. Michael Andrick ist Philosoph, Sachbuch-Autor, Essayist und Kolumnist. Für die stilistische Klarheit und Prägnanz seiner Texte erhielt Michael Andrick 2022 den Jürgen-Moll-Preis. Er publiziert in „Der Freitag“, bei DLF Kultur, „Die Welt“, der „Berliner Zeitung“ und im „Cicero“. Als Autor wurde Michael Andrick mit dem Buch „Erfolgsleere. Philosophie für die Arbeitswelt“, Herder Verlag 2020, bekannt. Im Bestseller „Im Moralgefängnis“, Verlag Westend 2024, ging er den Ursachen gesellschaftlicher und politischer Polarisierung auf den Grund. Sein jüngstes Buch „Ich bin nicht dabei - Denk-Zettel für einen freien Geist“ erschien im Mai im Karl Aber Verlag, versammelt Texte gegen die Konformität, ist ein Plädoyer für den freien Geist und ein Aufruf zum kritischen Denken. Am 27.11. war Michael Andrick bei den Ettersburger Gesprächen zu Gast. Das Thema: „Der Sinn von Politik ist Freiheit. Hannah Arendt zum 50. Todestag“. 1980 wurde Michael Andrick unter dem Familiennamen Krause geboren. Seine Eltern waren aus der DDR geflohen und saßen wegen Fluchtversuch im Gefängnis. Das Abitur leistete Michael Andrick bei Hannover und studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes in Erfurt, in Leeds in Großbritannien und in Berlin. 2010 erfolgte an der FU Berlin die Promotion in Philosophie: „Göttlicher Wille und menschliche Macht: Strategien zur Befriedung der Gesellschaft bei Locke und Spinoza“, veröffentlicht in der Symposion-Reihe des Alber Verlags. Seit 2006 war Michael Andrick in industriellen Großunternehmen tätig, unter anderem drei Jahre als Führungskraft in den USA und als Digitalisierungsmanager in Deutschland. Heute lebt er mit seiner Frau und den drei Töchtern in Berlin und in Boltenhagen an der Ostsee. Moderation: Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf